Thomas Ott in der Galerie VernisSAGEfinis

Thomas Ott · Cinema Panopticum, The Hotel, 2005, Schabkarton

Thomas Ott · Cinema Panopticum, The Hotel, 2005, Schabkarton

Besprechung

Thomas Ott ist ein Multitalent. Er fertigt Comics, Illustrationen und Trickfilme an. Nicht nur als Comiczeichner, sondern auch als Leadsänger der Zürcher Rock-Band «Beelzebub» kann Ott eine begeisterte Fangemeinde um sich sammeln. Nun zeigt die
Galerie VernisSAGEfinis Geschichten und einzelne Zeichnungen und präsentiert gleichzeitig sein neues Buch «Cinema Panopticum».

Thomas Ott in der Galerie VernisSAGEfinis

«Ich brauche meine tägliche Dosis Alptraum», sagt Thomas Ott. Der 39-jährige Zürcher Künstler stellt sie sich in unheimlichen, makaberen Geschichten zusammen. Er kratzt sie mit feinen Strichen aus schwarz beschichtetem Schabkarton, der über einer weissen Farbschicht liegt. Dabei sind die hellen, lichtvollen Zonen immer von schwarzen Striemen durchsetzt. Diese Technik kommt der zutiefst pessimistischen Welt von Thomas Ott sehr entgegen. Sie ist bevölkert von Schlangen, skrupellosen Wissenschaftlern und sich suizidierenden Männern, während dolchdurchstossene Herzen und sezierte, abgetrennte Organe ein schwelendes Eigenleben führen. Die düsteren Szenerien werden von Skeletten beherrscht, die sich zu fröhlichen Totentänzen formieren. Die Episoden kommen gänzlich ohne Sprechblasen und kommentierende Worte aus. Da und dort trifft man auf metaphysische Elemente und Versatzstücke der Trivialkultur, welche mit Motiven der Schauerliteratur gewürzt sind.

In den stimmungsvollen, intimen Räumen der Galerie sind die einzelnen Kurzgeschichten, die auch in «Cinema Panopticum» beinhaltet sind, in Rahmen gefasst. Dabei liefert die erste Geschichte die übergreifende Handlung. Sie kreist um ein kleines Mädchen auf einem Rummelplatz. Da sie nur über fünf Franken verfügt, kann sie sich lediglich einen Besuch des «Cinemas Panopticum» leisten, wo sie in jedem Guckkasten einen Kurzfilm zu sehen bekommt. Der letzte Film «The Girl» handelt offensichtlich von ihr selbst, jedenfalls rennt sie entsetzt davon. Die Protagonisten der einzelnen Geschichten sind von Anfang an in ausweglose Situationen verstrickt. Ihr mehr oder weniger tragisches Ende ist eine besiegelte Sache. Letztlich sind Otts Figuren seinen Worten gemäss «reine Projektionsflächen». Die Stimmungen in den Szenen mit ihren vielfältigen Zoomeffekten wie auch die Art der Bilderzählung erinnern an den Film Noir. Auch die Konzepte der Surrealisten stehen Thomas Ott Pate, wenn zum Beispiel alle Personen, die im «Cinema Panopticum» vorkommen, auch auf dem Rummelplatz auftauchen oder wenn sich in «The Hotel» die verschiedenen Realitäts- und Imaginationsebenen ineinander verschachteln, so dass sich Tag und Traum nur schwerlich voneinander unterscheiden lassen.

Eine wichtige Inspirationsquelle des Ott&acuteschen Panoptikums stellt die amerikanische Fernsehserie «Twilight Zone» dar, eine Science-Fiction-Fantasy von Rod Serling, die in den 60er Jahren in Amerika grosse Popularität genoss. Auf vergleichbare tiefschwarze Unterwelten treffen wir bei Charles Burns und Max Andersson. Auch auf Charles Burns üben die eigenen Horrorgeschichten in einem scharfen, unerbittlichen Schwarzweiss-Stil einen kathartischen Effekt aus, indem er innere Vorgänge und Ängste in einer scheinbar heilen Welt visualisiert. Auch wenn die einzelnen Figuren oft etwas ungeschlacht daherkommen, verbirgt sich hinter den abgründigen Geschichten ein verstörendes Stück Kunst mit einem tiefschwarzen Humor und einer sinisteren Bösartigkeit. Mit Buch «Cinema Panopticum», Edition Moderne.

Bis 
24.06.2005
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Thomas Ott

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