Editorial

Cécile Wick · Weg - Away, 2005, aus einer Serie von 21 Heliogravuren, 25 x 16,8 cm

Cécile Wick · Weg - Away, 2005, aus einer Serie von 21 Heliogravuren, 25 x 16,8 cm

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In den aktuellen Grundsatzpapieren der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) wird auf den Wert der Kultur bei Übergangs- und Entwicklungsprozessen hingewiesen. Die epochalen Umwälzungen in Osteuropa von zentralistischen zu pluralistischen Gesellschaften, von einer Planwirtschaft zur Marktwirtschaft, bringen grosse Verunsicherungen mit sich. Die DEZA hat sich jetzt mit einem Kredit von 3,5 Millionen verstärkt hinter die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia gestellt, um in den so genannten Transitionsländern die Entwicklung zu einer partizipatorischen Zivilgesellschaft nachhaltig zu fördern. So werden nun gemeinsam mit der Pro Helvetia 15 Infrastruktur- und Kooperationsprojekte in sieben Ländern - Albanien, Bosnien/Herzegowina, Bulgarien, Makedonien, Rumänien, Serbien/Montenegro und Ukraine - über drei Jahre unterstützt sowie eine Vielzahl kleinerer Interventionen mit finanziert. Dies ist nicht in erster Linie ein Signal, dass sich die aussenpolitischen Behörden jetzt als Kulturförderer verstehen. Vielmehr geht es um den identitätsstiftenden Wert der Kultur, um den Versuch, einen künstlerischen Dialog anzuregen, der neuen gesellschaftlichen Formen Raum und Rückhalt bietet.

Zu kompliziert? Im «Gespräch in den Wandelhallen» erklärt Kurt Fluri aus seiner Warte als Stadtpräsident von Solothurn, wie dieser Dialog im konkreten Fall ablaufen kann. Gleichzeitig weist die Ständerätin Anita Fetz auf den Wert der kulturellen Vielfalt hin.

Auch wir setzen auf das kreative Potenzial von künstlerischer Polyphonie. So haben die beiden Künstlerinnen, die für «décorum» verantwortlich zeichnen, diesmal einen russischen Text mit einfliessen lassen. Auch wenn ihn wohl die wenigsten verstehen - und gerade deshalb - ist er eine Forderung zwischenmenschlichen Respekts in einer globalisierten Umwelt, über die Sprachgrenzen hinweg. Und dies nicht nur, um den russischen Prostituierten, die eine Fussball-WM offenbar auch immer begleiten, eine Stimme zu verleihen. Claudia Jolles

Ne laissons pas passer la date de la fin de l´exposition sans signaler «l´Extrospective» de Tom Burr au Musée cantonal des beaux-arts de Lausanne (jusqu´au 18 juin). Parmi les questions qui intéressent cet artiste américain (né en 1963), celle de l´espace public et donc du passant, amateur d´art ou non, est particulièrement significative. Ses installations placent le spectateur dans des lieux qui lui paraissent presque aussi abstraits qu´une scène de théâtre. Haies de jardins, toilettes publiques, bars faiblement éclairés, cabines de visionnement de vidéos porno deviennent des artefacts théâtraux, des constructions manifestement inspirées des principes minimalistes. Les formes élémentaires, l´utilisation des matériaux, la répétition d´éléments ou de modules quasi-identiques, tout rappelle la sérialité des sculptures de Don Judd ... Sauf que Tom Burr ne reprend pas à son compte l´ambition minimaliste de l´autonomie de la sculpture. Au contraire, il invite le spectateur à établir des liens, des narrations, des parentés.
Et s´il peut infléchir la lecture de ses ?uvres, c´est vers le commentaire socio-politique qu´il nous pousserait volontiers, nous rappelant controverses et débats qui ne manquent jamais de surgir lorsqu´il s´agit d´interventions dans l´espace public. La pureté formelle s´efface devant le pouvoir d´évocation. Françoise Ninghetto

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