Lucie Beppler, Anke Röhrscheid und Elly Strik in der Kunsthalle Palazzo

Elly Strik · Fay Wray, 2004, Öl und Lack auf Papier, 318 x 205 cm

Elly Strik · Fay Wray, 2004, Öl und Lack auf Papier, 318 x 205 cm

Besprechung

Jean-Christoph Ammann geht mit der Ausstellung von drei hierzulande wenig bekannten Künstlerinnen seiner Vorliebe für die figurative Malerei nach.

Lucie Beppler, Anke Röhrscheid und Elly Strik in der Kunsthalle Palazzo

Im grosszügig dimensionierten, lichten Saal der Kunsthalle glotzen überdimensionale halbnackte Frauen mit Furcht erregenden, lachenden Gorillamasken auf den Betrachter hinunter. Zwei Köpfe, die mit Tüchern dicht verhüllt sind, lassen im einen Bild an einen Tschador denken und im andern an die Form einer Vagina. Die holländische Künstlerin Elly Strik (*1961, Den Haag), die mit Öl, Lackfarbe und Graphit auf starkem Papier zeichnet, lässt Affenwesen sich von Tier zu Menschen und von weiblicher zu männlicher Identität verwandeln. In den Aquarellen mit pflanzenähnlichen Gebilden der deutschen Künstlerin Anke Röhrscheid (*1965, Erfurt) vollzieht sich eine eher hinterhältige Art von Metamorphose. Aus Knospen und Blättern in satten Rot- und vielfältigen Grüntönen vor schwarzem Hintergrund, die zunächst an brave botanische Illustrationen erinnern, sieht man auf den zweiten Blick giftige Greifer aus Blättern ragen, Knospen zu Knollen wuchern und Pflanzliches sich in Fleischliches und Pelziges verwandeln. Diese hybriden und sehr sinnlichen Züchtungen involvieren den Betrachter in ein Spiel mit verwirrenden Assoziationen. Sie verführen und sobald man gewahr wird, dass sie trotz ihrer irrealen Schöpfung überraschend real wirken, lassen sie einen erschaudern. Dagegen scheint man angesichts von Lucie Bepplers Tuschezeichnungen mit reduzierten All-over-Strukturen gesichertes Terrain zu betreten. Ein Sicherheitsgefühl, in dem man sich allerdings nicht lange wähnen kann, denn die schwarz-weissen Liniennetze sind so dicht bearbeitet, dass ein tiefer Raum entsteht. In diesem tauchen da und dort Köpfe, Schädel und Figuren wie hinter einer dicken Eisschicht auf und scheinen einen wie alptraumartige Irrlichter heimzusuchen. Der Verweis auf das Existenzielle des Menschen in einem minimal art-igen System ist ein zentrales Anliegen von Lucie Beppler (*1961, Wetzlar). Davon sprechen auch die kleinen Tonfiguren, die sich zwischen Schlaf, Meditation oder gar Tod befinden.

Jean-Christoph Ammann, der als Gastkurator die Ausstellung konzipiert und eingerichtet hat, stellt die Werke der drei in der Schweiz kaum bekannten Frauen dialogisch einander gegenüber. Von den antizyklischen Arbeiten dieser Frauen, die Ammann liebevoll als «Biester mit einer grossen energetischen Dimension» beschreibt, geht eine starke Intensität aus. Ammann ist dem Kulturhaus Palazzo, das neben Ausstellungsräumen ein Kino, ein Kleintheater und ein Restaurant unter seinem Dach versammelt, seit seiner Eröffnung im Jahre 1979 als alternatives autonomes Kulturzentrum verbunden. Er bekundete diese Sympathie im Jahresbericht der Kulturhaus Palazzo AG von 1980. Schon seit fünf Jahren arbeitet der Kunsthalleleiter Niggi Messerli, ein ehemaliger Foto- und Videokünstler, erfolgreich mit Gastkuratoren zusammen. So erarbeiteten im letzten Jahr die GastkuratorInnen Helen Hirsch, Sylvia Bächli, Eric Hattan, Silvia Steiner und Andreas Fiedler ein äusserst abwechslungsreiches Programm, das von der Berner Gegenwartskunst, bekannten Schweizer Landschaftsmalern bis zur Romantik in der zeitgenössischen Kunst reichte. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass Ausstellungen in der Kunsthalle Palazzo den Ruhm vieler Künstler, wie etwa von Beat Streuli, Pipilotti Rist oder von Samuel Buri begründen halfen.

Bis 
17.06.2006

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