Mircea Cantor in der Frac Champagne-Ardenne

Mircea Cantor · Untitled, 2006, ø 49 cm, h 7 cm, Plexiglass Box, Zeitungspapier, © Mircea Cantor

Mircea Cantor · Untitled, 2006, ø 49 cm, h 7 cm, Plexiglass Box, Zeitungspapier, © Mircea Cantor

Hinweis

Mircea Cantor in der Frac Champagne-Ardenne

Es gibt nicht die eine Welt, es gibt derer viele. Der 1977 in Rumänien geborene Künstler Mircea Cantor lebt heute in Paris und Cluj Napoca (Rumänien), zwischen zwei Kulturen. Für die Arbeit «Untitled, 2006» riss er den Titel der grössten französischen Tageszeitung aus und fügte mit rotem Filzstift je ein «s» an: «Les Mondes». Welten werden eingerichtet durch symbolische Formen. Prägte Ernst Cassirer einst diesen Begriff als jene «Energie», «durch welche ein geistiger Bedeutungsgehalt an ein konkretes sinnliches Zeichen geknüpft» wird, so wendet Cantor sich dem Prozess dieser Verknüpfung zu. Der Erfolgskünstler aus dem «neuen Europa» versteht es, Abstand zu nehmen und zu beobachten, wie sich symbolische Formen, Bilder und Gesten zu Welt zusammensetzen. Dann interveniert er und plötzlich wird aus einem Zeitungstitel ein Statement. Während eines Residenz-Aufenthaltes in Reims wird er einen 16-mm-Film produzieren, der den Schatten einer Flagge zeigt. Derzeit Trendmotiv Nummer eins, wird die Flagge hier zum Schattenspiel um Form und Macht der Symbole. Die grosse Ausstellung in der Frac, seine erste monografische in einer französischen Institution, hat der Ricard-Preisträger 2004 «Ciel variable» genannt. So veränderbar der Himmel über uns, so variabel ist das ästhetische Erkennen in uns. «I shot this image because it is highly suggestive within a specific circle», 2006, zeigt Müll am Strassenrand. Ein zweiter Blick auf das Foto macht aus dem Haufen Pissoirs und Eisenstreben ein Duchamp-Zitat, dann Abwehrgeschütze. Cantors Arbeit an symbolischen Formen, darin ist er dem Slowaken Roman Ondák verwandt, ist auch politische Stellungnahme, kritische Geste - und verändert so unsere Wahrnehmungs-Spielräume: «The landscape is changing» nannte der Mitherausgeber des Magazins «Version» das Happening, zu dem er ein paar Dutzend Demonstranten in Tirana mit Protestplakaten auf die Strasse schickte.
22 Minuten lang zeigt das Video, wie sie protestierend durch die Strassen ziehen. Auf den Schildern keine Parolen - es sind Spiegel, in denen verzerrt die Umwelt erscheint. Zur Ausstellung wird eine Monografie publiziert.

Bis 
14.07.2007
Künstler/innen
Mircea Cantor
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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