Pia Fries im Kunstmuseum

Pia Fries · tisch c, 2006, Ölfarben und Siebdruck auf Holz, 145 x 100 cm, © 2007 ProLitteris, Zürich, Foto: Hans Brändli, Düsseldorf

Pia Fries · tisch c, 2006, Ölfarben und Siebdruck auf Holz, 145 x 100 cm, © 2007 ProLitteris, Zürich, Foto: Hans Brändli, Düsseldorf

Besprechung

Trotz all der Moden des launigen Kunstbetriebs hält Pia Fries seit Ende der achtziger Jahre an der ungegenständlichen Malerei fest. Nun sind im Anbau des Kunstmuseums Werke aus den letzten zwanzig Jahren ihres malerischen Schaffens in fünf Säle gepackt.

Pia Fries im Kunstmuseum

«Ich entwickle meine Bilder ohne vorgängige Idee oder Theorie und gehe auch nicht von einer Gesamtkonzeption aus», antwortet Pia Fries auf meine Frage nach dem Entstehungsprinzip ihrer Bilder. Die Schweizer Malerin folgt vielmehr den Flüssen der Farbe, damit diese selbst zur Wirkkraft wird, die Genese des Bildes geschieht im Bildgeviert selbst. Damit hebt sich Pia Fries von ihrem ehemaligen Lehrer Gerhard Richter ab. Grossformatige Bildflächen bearbeitet Fries am Boden, um der Entwicklungsfähigkeit der Farbe optimalen Raum zu verleihen. Gleichzeitig will sie sich verschiedene Bildsprachen erschliessen. Und tut dies nicht nur mit polymorphen Farbsetzungen, sondern auch etwa mit Fotografien, die sie mittels Siebdruck auf die Bildflächen aufträgt oder mit dem Stapeln von Bildkörpern. Indem sie den Untergrund - in den letzten Jahren meistens Holz - offenlegt, steigert sie gleichzeitig den illusionistischen Wert der Malerei. Damit wird der Betrachter nicht nur mit den Grundbedingungen der Malerei konfrontiert, sondern wird Zeuge, wie sich diese als Metamorphose im Spannungsbogen zwischen Vorgabe und malerischer Ausführung realisiert.

Der Rundgang wird mit Bildern aus den neunziger Jahren eröffnet. Kreisrunde Formen bilden das Basisvokabular und die pastos aufgetragene Farbe schwillt bisweilen zu Reliefs an. Die Bilder wirken schwer, gedrängt, die Farbe fliesst träge und gerät oft ins Stocken, als könnte sie sich nicht entscheiden, wie sie sich entwickeln will. Befreiung erfährt die drückende Stimmung in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre, als Pia Fries beginnt, die Bildträger weiss zu grundieren. Nun haben die Farbflüsse, -tupfer, -banderolen und -wolken Raum, Luft und Licht zum Atmen und sich Entfalten. Die Farbe formt sich zu Wülsten und Kämmen, franst aus wie ein borstiger Haarschopf und gewinnt zuweilen die Konsistenz von Tortendekorationen. Die dicken Schlieren sind zum Teil aufgebrochen oder abgeschabt, bilden sprossende, pulsierende, strömende, sich wellende Körper und Energiezonen im weissen Feld. Die Oberflächen sind mal glatt, mal rau, dann wieder kompakt wie eine Wand oder transparent wie Glas. Dann wieder formiert sich das Geschehen zu Bergen, Tälern, Krater und Seen. Die Gemälde bieten sich wohl für Assoziationen an, leisten aber letztlich weder eindeutige Gegenstandsbezüge noch irgendeine Orientierung. Trotz aller Spontaneität ist die expressive Geste kontrolliert und lässt das Bild zu einem eigenständigen Organismus werden. Immer wieder stellt sich die Frage, wie die Komposition zu einem Ende kommen kann. Eine Antwort ist vielleicht in Bildern wie «runree», 2002, oder «tettnang», 2006, zu finden, deren malerisches Gefüge sich in einem labilen Gleichgewicht hält. Sie erinnern an barocke Deckengemälde oder suggerieren das Auge eines Zyklons mit Farbströmen und Wirbeln, die dynamisch, zischend, züngelnd um eine ruhig daliegende weisse Zone kreisen. Mit Katalog.

Bis 
28.06.2007

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