Vincent Kohler und Lex Vögtli im Kunstraum

Vincent Kohler · Stèle, 2007, Polystyrène, Kunstharz, ca. 160 x 150 x 20 cm, Euseigne (Prototype), 2007, Gips, Motor, ca. 60 x 70 x 90 cm, Foto © René Rötheli, Baden

Vincent Kohler · Stèle, 2007, Polystyrène, Kunstharz, ca. 160 x 150 x 20 cm, Euseigne (Prototype), 2007, Gips, Motor, ca. 60 x 70 x 90 cm, Foto © René Rötheli, Baden

Hinweis

Vincent Kohler und Lex Vögtli im Kunstraum

Ein grosser Schneeberg liegt aufgeschüttet mitten im Raum, die Rückseite ziert ein wildes, hingepinkeltes Zickzack - echt oder falsch? Beim zweiten Blick auf Vincent Kohlers (*1977) Skulpturen ist unübersehbar, dass seine Materialien ein Fake sind: Die lose an die Wand gelehnten und aufeinander gestellten Steinplatten sind aus Polystyrène, die aufgemalten rosa Rautenmuster - ein formaler Widerhall auf die schrägen Bruchkanten - aus speckiger Kunstharzfarbe. Dem Lausanner Künstler haben es offenbar die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit, zwischen amorphen und geometrischen Formen angetan. So auch in einem Video, in welchem kreisende Hände einen nackten Rücken bearbeiten. Das Geräusch erinnert an das Schaben eines Schlagzeugbesens. Allmählich mischt sich ein Trommeln darunter, die Rhythmen werden dichter und man beginnt zu zweifeln, ob es wirklich nur zwei Hände sind, welche den komplexen Klangteppich evozieren.
Im miniaturisierten Modell des Walliser Naturphänomens «Euseigne» lässt Kohler Felsbrocken aus Gips auf einer Gesteinsformation mit unbeholfen ruckelnder Bewegung kreisen. In der irritierenden Gegenüberstellung von Naturgewalt und Low-Tech-Bastelei zeigt sich die Kraft des Kreativen. In dieser Reibung entsteht die Kunst, in der Perfektion würde sie erstarren.
Auch in den Gemälden der Baslerin Lex Vögtli (*1972) scheinen unterschiedliche Realitätsebenen aufeinander zu prallen. Doch ihre Motive haben wenig mit sinnlichen Alltagserfahrungen zu tun. Vielmehr greift sie ein breites Spektrum von kulturellen Stoffen auf: Ein Gemälde zeigt virtuos illusionistisch gemalte und geschichtete Oberflächen, als ob sich die Künstlerin vom Besuch einer Baumusterzentrale hätte inspirieren lassen. Über das rein Formale hinaus führen dann die realistisch gemalten Apfelkerne. Wird hier «Der Sündenfall» - so der Bildtitel - thematisiert oder formal sublimiert? Von welchem Baum der Erkenntnis wurde hier gegessen? Geht es um die verlorene malerische Unschuld, die urtümliche magische Einheit von Objekt und Bild? Um die Frage, was eine Malerei noch leistet, die jeden kulturellen Kontext vortäuschen, Bezüge herstellen und damit auch irrelevant machen kann? Werkgespräch am 7.6., 18.30 Uhr.

Bis 
09.06.2007

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