Gavin Turk, «Burnt out»

Gavin Turk · 50:50, 2008. Foto: Viktor Kolibal

Gavin Turk · 50:50, 2008. Foto: Viktor Kolibal

Gavin Turk · 50:50, 2008, Detail. Foto: Viktor Kolibal

Gavin Turk · 50:50, 2008, Detail. Foto: Viktor Kolibal

Besprechung

Der Brite Gavin Turk ist einer Generation von Künstlern zuzurechnen, die sich frei aus dem Fundus der jüngeren Kunstgeschichte bedienen, weniger im Sinne einer Aneignung als vielmehr in Form eines offenen Dialogs, in dem Ideen gezielt wie Pingpongbälle hin und her gespielt werden.

Gavin Turk, «Burnt out»

«Burnt Out»: Bezieht sich dies auf die verglimmte Feuerstelle, das abgebrannte Streichholz und das Häuflein Asche, Letzteres auf einem Sockel präsentiert? Oder auf den Hype umdie «Young British Artists» - ein gezielterMedienwurf des Sammlers Charles Saatchi, dem Gavin Turk schon immer eher skeptisch gegenüberstand? Wie oft kann man etwas wiederholen, bis es erlischt, scheint die Arbeit «Faded Glory», 2007, zu fragen. Sie baut auf einer Serie von Siebdrucken auf, in denen Turk sein eigenes Antlitz mit denen ikonischer Persönlichkeiten wie Andy Warhol oder Che Guevara verschmolz.Hier stellt er das Sieb aus, auf dem nach dem letzten Druck sein eigenes Gesicht in dem von Elvis Presley nach Warhols berühmter Vorlage zu sehen ist - ein verblassendes Abbild vom Abbild vom Abbild ? Reproduktion ad finitum? Das Verhältnis von Readymade und Trompe-l'oeil ist ein weiterer interessanter Aspekt in seinem Werk. Feuerstelle, Aschehaufen und Streichholzstummel sind aus Bronze gefertigt und überführen somit ihren ephemeren Zustand der Vergänglichkeit in den der Ewigkeit. Ähnlich verhält es sich mit dem schwarzen Müllsack, der abholbereit in einer Ecke steht, dem Schlafsack, in dem ein Penner zu liegen scheint, oder den beiden zerdrückten Starkbierdosen mit dem Titel «Painted Bronze III», 2004, - frei nach Jasper Johns gleichnamiger Popikone von 1960. Nur sind Turks Dosen keine in Kunst transformierte Warenfetische, sondern in Bronze gegossener Abfall. Der Umgang mit den Trümmern unserer Gesellschaft zieht sich wie ein leiser sozialkritischer Faden durch die Ausstellung. «Drainpipe», 2007, ist keine Bronzeskulptur, sondern, in direkter Antwort auf Duchamps Urinoir, ein Readymade: ein U-förmiges Abwasserrohr, in dem privater und öffentlicher menschlicher Abfall zusammen fliessen. Gleichzeitig erinnert seine Form an die berühmte Pfeife Magrittes - nichts ist das, was es scheint. Immer wieder verschmilzt Turk Anspielungen auf die eigene Person bzw. seinen Namen mit multiplen Referenzen auf die Kunstgeschichte, wie etwa in den mit dem Design einer Alufolienschachtel bedruckten Holzscheiten «Turkey Foil Box XL», 2007, in denen sowohl Warhols Brillo-Boxen wie Carl Andres Bodenskulpturen anklingen. Verpackung und Inhalt künstlerischer Produktion werden hier intelligent und selbstironisch zur Disposition gestellt.

Bis 
03.06.2008
Autor/innen
Eva Scharrer
Künstler/innen
Gavin Turk

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