Hugo Suter, «Diffusion»

Hugo Suter · Malerei (Wald), 2007/08, geätztes Glas, Plexiglas, Acrylfarbe, Holz und diverse Materialien, 62.5 x 43 x 25.5 cm

Hugo Suter · Malerei (Wald), 2007/08, geätztes Glas, Plexiglas, Acrylfarbe, Holz und diverse Materialien, 62.5 x 43 x 25.5 cm

Besprechung

Zusammen mit Markus Raetz oder Aldo Walker gehört Hugo Suter zu jener Künstlergeneration, die in den siebziger und achtziger Jahren die Kunstszene in der Schweiz bewegt hat. Eine Ausstellung mit vorwiegend neueren Arbeiten zeigt, dass sich das komplexe Werk des Aargauers auch heute behaupten kann.

Hugo Suter, «Diffusion»

«Hinter dem Bild kann es ja nicht aufhören.» Dieser Satz stammt aus einem Gespräch zwischen Hugo Suter (*1943) und dem Bildhauer und Kunsttheoretiker Theo Kneubühler, das 1982 im Katalog zur Ausstellung Suters im Aargauer Kunsthaus abgedruckt wurde. Hinter dem Bild hört es bei Suter nie auf. Es gibt kaum ein Werk, das nicht aus mehreren Schichten besteht oder zumindest eine Vorder- und eine Rückseite aufweist. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass als Bildträger häufig Glas - matt, transparent oder als Spiegel - verwendet wird. Durch das Glas hindurch kann man das Dahinterliegende, eine andere Realität, wahrnehmen, manchmal auch nur erahnen. Aber ist das, was wir sehen, wirklich das, was wir sehen, muss man sich bei der Betrachtung der plastischen Objekte fragen, die im Oberlichtsaal der Galerie Anton Meier auf diskreten Sockeln angeordnet sind. Da erscheint etwa hinter einer matten Glasscheibe diffus ein Stillleben. Doch die Farbflecken, in denen unser visuelles System eindeutig Flaschen und ein halb mit Rotwein gefülltes Glas zu erkennen glaubt, erweisen sich bei einem Blick hinter die Kulissen als ein Velosattel, ein Pingpongschläger und ein Pinsel.
Hinter den hohen Bäumen in «Malerei (Wald)»,2007/08, auf die streifenförmig Sonnenstrahlen einfallen, versteckt sich ein nur scheinbar zufälliges, genau berechnetes Gewirr von grün-gelb plastifizierten Drähten. Ein anderes Werk aus Glas, «Zeichnung (Rucksack/Fels)», 2008, zeigt von vorne ein aus eisig grünen Strichen bestehendes, felsenartiges Gebilde. Die Linien sind jedoch in Tat und Wahrheit die durchscheinenden Kanten von Glasstücken, die rückseitig senkrecht auf die Bildfläche aufgeklebt wurden. Eine raffinierte Kombination von Gezeichnetem und Skulpturalem, gewissermassen janusköpfig, und ein subtiles Wechselspiel von Fläche und Raum, das auch in der Serie «Gelöschte Figur», 2007, neu inszeniert wird. Als Erstes hatte Suter die Umrisse eines sitzenden Knaben von Karl Geiser «Daniel mit Suavenmütze», Radierung, 1930, mehrmals auf einer Wandtafel gezeichnet, anschliessend mit einem Schwamm verwischt und die zurückbleibenden Spuren in Glas geäzt. Nun thronen diese weiss vermummten Formen gerahmt, wie gemalt, halb schwebend mitten im Raum,der sie,durch das Glas hindurch sichtbar - bzw. gespiegelt und damit insWerk integriert - allseitig umschliesst

Bis 
27.06.2008
Autor/innen
Marguerite Menz
Künstler/innen
Hugo Suter

Werbung