Linda McCue, «The One/The Other»

Linda McCue · Untitled, 2008, Öl auf Leinwand, 230 x 165 cm, Courtesy Galerie Vera Munro

Linda McCue · Untitled, 2008, Öl auf Leinwand, 230 x 165 cm, Courtesy Galerie Vera Munro

Besprechung

LindaMcCuesBilder sind offenkundig gegenständlich,die Stofflichkeit der Dinge ist darin gestochen scharf und plastisch umgesetzt. Die Objekt-Arrangements ihrer Kompositionen lassen sich in eher konzeptuellem Sinn auch als abstrakt bezeichnen. Ihre neuen Bilder verknüpfen dies noch stärker als bisher.

Linda McCue, «The One/The Other»

Aus einem charakteristischen, stetig erweiterten Motivfundus findet McCue zu Formulierungen hybrider Bildrealität. Das disparate Inventar, ein dinghafter Zeichenkosmos aus Kitsch- und Kunstobjekten, bringt stilisierte Reiher, Kristallbrocken und Asia-Nippes mit Bildzitaten so unterschiedlicher Künstler wie Polke, Riley oder Kupka zusammen. McCue lanciert die daraus entspringenden Ambivalenzen auch kompositorisch so, dass sich das Bild selbst als einheitlicher Darstellungsraum in Frage stellt. Das trifft den archimedischen Punkt von Repräsentation, denn McCue macht mit Mitteln des Trompe-l'oeil abstrakten Gebrauch von Gegenständlichkeit. Neuere Arbeiten führen das exemplarisch vor. In «Untitled», 2008, ragen rechts zwei Basaltsäulen auf. Wie fragile, giacomettihaft gestreckte Sockel tragen sie je eine kleine Reiherskulptur, eine von ihnen ist ironischerweise aus dem Bildraum herausgehoben und nur halb zu sehen. Zu Füssen der Vögel finden sich, als sei's ein emblematisches Bonmot, asiatische Essstäbchen. Links oben wiederum erstrecken sich schwarzweiss vier monochrome Rechteckfelder, ein Kupka-Zitat, das perspektivisch in die vage Tiefe des undefinierten Bildraums ragt. Darüber legt McCue eine halbtransparente Fläche, auf der ein helles Band wie ziellos vor sich hin mäandert. Und bezieht sich damit auf die «Langeweileschleife», 1969, von Polke, welcher das irregulär- zweckfreie Ornament einst mit Klebeband auf die Atelierwand brachte. Dem fügt McCue eine doppelte Faltung hinzu und bringt so auch formal eine Unwägbarkeit zwischen Fläche, Raum und offenem Ornament ins Spiel.
«Abstrakte Bilder und Andere», 2008, zeigt ein ähnlich hermetisches Arrangement. Vor dreiviertelhoher, beigefarbener Fläche, die an ungrundierte Leinwand grenzt, malt McCue ein lockeres, von Bibern benagtes Astgesteck. Dazwischen definieren vier flächige Objekte trügerische Tiefe. Selbst zwischen Zwei- und Dreidimensionalität gehalten, schweben sie in einem Raum, den das Bild von sich aus eigentlich nicht hergibt. McCue bindet hier aperçuhaft komplexe Motivgefüge ein - links ein fein gestreiftes Riley-Zitat, das in einem grauen Clownsbild ein kitschig-schattenhaftes Double findet, rechts eine Gepardenfamilie, die McCue aus einer Arbeit Michael Krebbers entlehnt, der seinerseits schlicht Tierbettwäsche mit weissen Tupfern ergänzt hatte. Kitsch und Kunst und noch ein Polke-Echo werden so in neue Nachbarschaften eingemeindet. Das gelingt McCue tatsächlich virtuos.

Bis 
29.06.2008
Autor/innen
Jens Asthoff

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