Philip Taaffe, «Rekapitulationen»

Philip Taaffe · Written on the Bay, 1988, Mixed Media auf Leinwand, 179 x 146 cm, Privatsammlung

Philip Taaffe · Written on the Bay, 1988, Mixed Media auf Leinwand, 179 x 146 cm, Privatsammlung

Besprechung

Mit seinen ornamentalen Bildernwar Philip Taaffe in den achtziger Jahren einer der Stars der NewYorker Kunstszene.Zunächst mit dem Stichwort der «Appropriation» erfasst, wurde es in den strengen Neunzigern dann still um ihn. Jetzt meldet er sich mit einer grossartigen Retrospektive zurück.

Philip Taaffe, «Rekapitulationen»

Philip Taaffe (*1955) bedient sich in sämtlichen Weltkulturen, greift griechische, islamische, südamerikanische oder auch usbekische Architekturfragmente, Fliesenmuster und Formen auf, mischt fossile Funde, aber auch Elemente der Op-Art hinein und setzt manchmal noch Schmetterlinge oder Echsen darauf. Dabei zelebriert Taaffe keine popkulturelle Übernahme, sondern flicht in seinen Bildern ein enorm vielschichtiges Gewebe auf dem Weg zu einer Neubewertung des Vorgefundenen. Im Mittelpunkt steht dabei eine Aktualisierung vom Ornament. AlsWeg vom ehemaligen «Sündenfall der modernen Malerei» (Markus Brüderlin) zur Weltsprache könnte man die Ausstellung beschreiben, die in dieser erstmaligen Zusammenstellung von achtzig Gemälden unübersehbar macht, wie eng Abstraktion und Ornament zusammenhängen - eine These, die der Wolfsburger Direktor Markus Brüderlin schon 2001 mit seiner Ausstellung in der Basler Fondation Beyeler überzeugend beweisen konnte. Thematisch ist Taaffes Retrospektive nach Werkphasen geordnet: Seine «Rekapitulationen» (P. Taaffe) von Barnet Newman und Bridget Riley, das mehr als neun Meter lange Werk «Megapolis» aus der Wiener Secession von 1996, das in besonderem Masse durch eine Vielzahl transparenter, fast schon psychedelischer Bildschichten geprägt ist, die Schlangenmotive Mitte der Neunzigerjahre, die Meereswelten zur Jahrtausendwende und die neuesten Werke, die koptische Steinreliefs und byzantinische Friese aufgreifen. Besonders beeindruckend ist der eigens für Wolfsburg entstandene, schwarze «Turm»:Dicht neben- und übereinander gehängt, erhalten wir hier anhand von Einzelblättern einen Einblick in Taaffes Bildproduktion. Die einzelnen Motive bilden einen eigenen Raum, in dem sich Wirklichkeiten, Zeiten, Kulturen, Regionen und auch Religionen treffen - eine Art Alphabet, durchbrochen von einem Fries von Hühnern, die vom Humor und der Experimentierfreude Taaffes erzählen. In der Präsentation wird deutlich,wie sehr Ornament und Muster, die auf Wiederholung und Symmetrie basierenden Bildwelten Taaffes, keiner schmückenden Funktion dienen, sondern auf das Nachdenken über Malerei zielen - über die «Resonanzmöglichkeiten von Malerei» oder auch Bilder als «synästhetische Kombination aus Bewegung, architektonischer Zeit und Farbe» (P. Taaffe). Hegel spricht einmal vom Ornament als Mittel zur Selbstbewusstwerdung des Geistes - eine Erfahrung, die in dieser Ausstellung möglich wird

Bis 
28.06.2008
Künstler/innen
Philip Taaffe
Autor/innen
Sabine B. Vogel

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