Remo Albert Alig, «Zorzi»

Remo Albert Alig · Janus II, 2008, Fotografie, 22 x 15 cm, Einzelarbeit aus der siebenteiligen Serie

Remo Albert Alig · Janus II, 2008, Fotografie, 22 x 15 cm, Einzelarbeit aus der siebenteiligen Serie

Besprechung

Der Titel der aktuellen Präsentation von Remo Albert Alig steht im venezianischen Lispeldialekt für «Giorgio». Gemeint ist Giorgione da Castelfranco, ein Maler der Hochrenaissance in Venedig. Dessen Gemälde «La Tempesta» war die Initialzündung für den Bündner Künstler.

Remo Albert Alig, «Zorzi»

Remo Albert Alig schöpft aus dem starken Symbolgehalt des venezianischen Gemäldes und schlägt einen Bogen von der Historie in die Gegenwart. Erklärt wird nichts, doch der aufmerksamen BetrachterIn entgeht das Tiefgründige nicht.Eigene lyrische Epigramme, Textfragmente mit dem Charakter von Aphorismen - geschrieben mit Blütenstaub,Russ,Asche - erläutern nicht, sie ergänzen die Arbeiten vielmehr.Dabei ist nichts künstlich aufgeladen, die Arbeiten bleiben schlicht und sachlich. Nach Alchemistenmanier bereitet Alig seine Pigmente oftmals selbst, er oxydiert Kupfer zu blaugrünem Vitriol und grünem Oxyd, nimmt Schellack als Farbträger, patiniert kleine Bleifiguren. So etwa im Multiple mit zwei Figürchen auf einem kleinen Ast in der Formeines «Y»,welcher der Arbeit den Namen gibt.Die Figürchen stammen aus einem Dreikönigskuchen - auch das eine uralte Legende, von Alig in unsere Tage transformiert.Die neunteilige Arbeit «Acquacielo» bildet ein grosses Quadrat aus tiefdunklen, glänzenden Tafelbildern.Die Holztafeln sind in vielen Schichten geschliffen und bemalt mit Tusche und Schellack, dem Grünspan und Azurit beigemischt sind. Die Bodenarbeit «Laguna morte» nimmt die Zahl neun in neun flachen verzinkten Blechbecken auf, in denen sich mit Kohlestaub gefärbtes Wasser unmerklich bewegt, die Umgebung spiegelt zu einem schimmernden Gemälde. Die Lilie als Symbol und Ornament führt Remo Albert Alig zur Installation «Rise». Sie erinnert an den Markusplatz in Venedig, an Taubenschwärme, die sich dort flügelrauschend emporschwingen (to rise). Alig hat auf dem dunkelgrauen Galerieboden Reiskörner ausgestreut, exakt im Lilienmuster, und so eine grosse Fläche wie ein venezianisches Mosaik gestaltet. Auch das vielteilige Alabasterobjekt «Janus I» aus fein polierten Elementen lässt Venedig wie aus einem alten Baukasten aufleben. Die Wandinstallation «Sogno» aus frei aus der Wand ragenden Rabenfedern evoziert den schwarzen Vogel Schlaf. Dazu sind im Kabinett der Galerie auf einer grossen rechteckigen Fläche aus Asche Assoziationen zu Leben und Tod zu lesen, unauffällig und dennoch eindringlich.Mit getrockneten Pflanzen und lyrischen Epigrammen zaubert Alig «Giardini segreti» an die Wand oder er schreibt mit Blütenstaub seinen Text zur fragilen, der Zerstörung geweihten, gepressten weissen Lilie. Immer holt der Künstler seine Inspirationen aus urzeitlicher Vergangenheit und setzt diese in äusserstem Arbeitsaufwand poetisch um.

Bis 
13.06.2008
Künstler/innen
Remo Albert Alig
Autor/innen
Gisela Kuoni

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