Daniel Schwartz, «Travelling through the eye of History»

Daniel Schwartz · Kinder der Kavernen. Mongolei, 2000. © ProLitteris

Daniel Schwartz · Kinder der Kavernen. Mongolei, 2000. © ProLitteris

Daniel Schwartz · Arbeiter am Karakoram- Highway, Pakistan, 2001. © ProLitteris Zürich

Daniel Schwartz · Arbeiter am Karakoram- Highway, Pakistan, 2001. © ProLitteris Zürich

Hinweis

Daniel Schwartz, «Travelling through the eye of History»

Ein Knabe in Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, schielt aus einer Kavernenöffnung hervor. Er gehört zu einer Bande von elternlosen Kindern, die sich alleine durchschlagen müssen und Schutz vor den eisigen Temperaturen in den Kavernen der Heisswasserleitungen suchen. Die Fotografie dieses Knaben, dem Hunger und Kälte täglich zusetzen, steht exemplarisch für das Schicksal der durch die Globalisierung bedrängten Nomadengesellschaft. Reisserische Schnappschüsse sind nicht die Sache des international renommierten Schweizer Fotografen Daniel Schwartz (*1955). Vielmehr spürt er mit einem unbestechlichen Auge, mit grosser Empathie und einem fundierten Wissen um geschichtliche Hintergründe prekäre Existenzformen und existentielle Unsicherheiten auf. Dies in einer krisengeschüttelten Welt, die seit dem 11. September mehr denn je im Visier machtpolitischer Interessenskonflikte steht. Die Ausstellung im Helmhaus vereinigt Fotografien von 1995 und 2007, als Schwartz mit einer Hasselblad-Kamera wiederholt in Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan, Pakistan und Afghanistan unterwegs war. Dabei hat er sich intensiv mit der Geschichte und Kultur dieser Regionen auseinandergesetzt und sie als einen zusammenhängenden, sich durchdringenden Raum kennen gelernt. Man hat das Gefühl, vor ungeheuer verdichteten, aussagekräftigen Bildern zu stehen. In seinem Bestreben, relevante Bilder zu schaffen, findet er für bedeutende Zusammenhänge eine adäquate, essentielle Form. Beispielsweise konfrontiert uns die Abbildung einer unendlichen Wüstenei in Afghanistan mit verstreut auf dem Boden kauernden Hungerflüchtlingen mit einem international umkämpften Gebiet, das zudem von äusserster Wasserknappheit bedroht ist. Damit hat Schwartz nicht nur ein Schlüsselbild geschaffen, in dem sich komprimierte Geschichte zeigt, sondern auch eine Chiffre für die bedrohte Existenz schlechthin. Textarbeiten, die jeweils vor Ort entstehen, sind in der Ausstellung gleichwertig wie die Fotografien inszeniert. Dies mag irritieren, auch wenn sie einen vertieften Einblick in die geschichtsträchtige Gegend vermitteln. Die Fotografien führen Schwartz' Reportage über die Chinesische Mauer weiter, die er als erster Europäer auf ihrer ganzen Länge bereist hat.

Bis 
13.06.2009

«Artist Book», Thames & Hudson, 2009

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Helmhaus Schweiz Zürich
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Daniel Schwartz

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