Marcel Broodtaers

Marcel Broodthaers · Un jardin d'hiver I & II, 1974, 6 Fotografien, je 81x124,5 cm, 16 Gartenklappstühle, 28 Palmen
Un jardin d'hiver (A B C), 1974, 16 mm, Farbfilm, mit Ton, 6 Min. Emanuel Hoffmann-Stiftung, Depositum in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel, Estate Marcel Broodthaers ©ProLitteris

Marcel Broodthaers · Un jardin d'hiver I & II, 1974, 6 Fotografien, je 81x124,5 cm, 16 Gartenklappstühle, 28 Palmen
Un jardin d'hiver (A B C), 1974, 16 mm, Farbfilm, mit Ton, 6 Min. Emanuel Hoffmann-Stiftung, Depositum in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel, Estate Marcel Broodthaers ©ProLitteris

Besprechung

Das Museum für Gegenwartskunst zeigt eine konzise kleine Ausstellung des belgischen Künstler-Poeten Marcel Broodtaers. Wie wichtig unkonventionelle Denker und Grenzverschieber für die Entfaltung der bildenden Kunst sind, wird hier anhand von Filmen, Objekten und Installationen anschaulich.

Marcel Broodtaers

Dass der Dichter Marcel Broodtaers (1924-1976) erst mit Anfang vierzig zur bildenden Kunst gelangte, kann als Glücksfall betrachtet werden. Sein luzider Blick auf Sprache und Bedeutung liess ihn Kunst auf unkonventionelle Weise gestalten. Dabei zieht sich die Reflexion künstlerischer Medien (Film, Konzept, Druck, Objekt) und des Kunstkontextes (Ausstellung, Künstlerdasein) als roter Faden durch sein Œuvre, das bei aller Ernsthaftigkeit immer auch einen Schuss Humor deutlich werden lässt. So zeigt etwa ein tonloser Kurzfilm, wie der Künstler im Freien einen Brief schreibt. Trotz stoischer Haltung scheitert das Vorhaben, da die verwendete Tinte unter einem gewaltigen Regenguss - aus einer über seinem Kopf ausgeschütteten Giesskanne - verläuft. Das ist so simpel wie absurd und eindrücklich. Immerhin brachte sein Schreibversuch ein Aquarell und einen Film hervor. Verständlich, dass Broodtaers Film als «Fortsetzung der Sprache» verstand. Titel gebend für die Ausstellung ist der Film ‹Le Corbeau et le Renard›, 1967. Hierfür filmte er sein Gedicht ‹Le D est plus grand que le T›, eine Kurzfassung der Fabel, sowie Glasflaschen oder Fotos, legte sie filmisch übereinander und projizierte sie auf einen beschriebenen Kartonkasten. Der nahezu unlesbare Filmtext wird zum bewegten Bilderfluss, und nicht die erzählte Geschichte, sondern die Verunmöglichung ihrer Lesbarkeit wird Thema.
Unter Palmen auf Gartenstühlen können wir grossformatige Drucke von Affen, Kamelen und Elefanten sowie einen Film bewundern. Letzterer zeigt eine 1974 ebenso inszenierte Ausstellungssituation im Brüsseler Palais des Beaux Arts. Im verdoppelten Interieur erklingen klassische Musiksamples. Dabei steht die Frage im Raum, inwiefern Kunstwerke nicht vergleichbaren institutionellen Verfahrensweisen, Klassifizierungen und Distributionslogiken unterliegen wie exotische Tiere.
In der Schau werden Broodtaers Arbeiten durch Werke wesensverwandter Künstler sinnvoll gerahmt. So liess sich Robert Barry wie Broodtaers von René Magrittes «industriellen Gedichten» inspirieren, während John Smith vorgelesene Wortsilben und entsprechende Objektbilder filmisch zusammenschnitt und so ein assoziatives Bild-Sprache-Gespinst schuf. Mit den komplexen Bezügen wird das Publikum nicht allein gelassen - jede/r erhält ein kleines Heft in die Hand gedrückt.

Bis 
16.08.2014
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Le Corbeau et le Renard 22.03.201417.08.2014 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
Marcel Broodthaers
Autor/innen
Yvonne Ziegler

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