Markus Amm. Piero Golia - Roboterarme und feine Malerhände

Piero Golia · The Painter, 2017, Installationsansicht Kunsthaus Baselland. Foto: Serge Hasenböhler

Piero Golia · The Painter, 2017, Installationsansicht Kunsthaus Baselland. Foto: Serge Hasenböhler

Markus Amm · Ohne Titel, 2017, Ölfarbe auf Gesso Board, Installationsansicht Kunsthaus Baselland. Foto: Serge Hasenböhler

Markus Amm · Ohne Titel, 2017, Ölfarbe auf Gesso Board, Installationsansicht Kunsthaus Baselland. Foto: Serge Hasenböhler

Besprechung

Mit zwei extrem unterschiedlichen Positionen zeigt das Kunsthaus Baselland nicht nur, wie gegenstandslose Malerei heute aussehen kann, sondern weist auch auf die Gegensätzlichkeit von provokantem Starauftritt und schaffensreicher Bescheidenheit. Auf längere Sicht gesehen gewinnt Letzteres.

Markus Amm. Piero Golia - Roboterarme und feine Malerhände

Der in Los Angeles lebende neapolitanische Künstler Piero Golia (*1974) ist kein Maler, sondern Konzeptkünstler. Er bedient sich (vermeintlich) erwarteter gros­ser Gesten, um dem Kunstpublikum einen Spiegel vorzuhalten und die Grenzen der Institutionen zu testen. Für das, was ihm künstlerisch und gesellschaftlich wichtig erscheint, das gemeinschaftliche Schaffen, ergreift er Initiativen und führt Workshops durch. Etwa in seiner 2005 gegründeten Kunstschule, an der Studierende keine Stu­diengebühren bezahlen müssen, oder im Chalet Hollywood, einer Art Club im Museum, wo Künstler/innen ihre Werke aufhängen, Ideen austauschen und zusammen essen und trinken. Im Anbau des Kunsthauses Baselland nimmt Golia den Kult um machohafte Malergenies aufs Korn: Ein auf einer Metallschiene installierter Roboterarm malt mit präzisen «theatralischen» Bewegungen vier geometrische Figuren in unterschiedlichen Grüntönen auf acht Leinwände. Er setzt sich jedoch nur in Bewegung, wenn Publikum anwesend ist. Je nachdem, wie viele Besuchende die Lichtschranken passieren, intensiviert sich sein «Gebaren», das man gespannt und mit ungläubigem Staunen verfolgt, wenngleich das ästhetische Ergebnis recht banal ist.
Handwerkliches Können und Leidenschaft zeichnen das Werk des in Genf lebenden deutschen Künstlers Markus Amm (*1969) aus. In einem aufwendigen Malprozess mit Kalkgrundierung, Abschleifen, mehrmaligem Auftrag von verdünnter Ölfarbe durch Giessen und lange Trocknungsphasen schafft Amm Farbräume, die Auge und Geist fesseln. Durch fliessenden Übergänge, die tiefere Farbschichten durchscheinen lassen, taucht man in die ozeanisch wirkende Wirklichkeit seiner kleinformatigen Bilder ein. Gleichzeitig sind diese durch den dicken bröckeligen Rand, der sich beim Farbgiessen ergab, reale Objekte, die je nach farblicher Nachbarschaft im Raum ganz unterschiedlich wirken. Neben den kontemplativen Gemälden sind andere Werkgruppen zu sehen. Noch im Studium experimentierte Amm mit dem damals verpönten Chemogramm. Er faltete unbelichtetes Fotopapier, tauchte es in Entwicklerflüssigkeit und belichtete und fixierte es. Wieder glattgestrichen und gepresst weisen die Chemogramme dort, wo sich Flüssigkeit sammelte, dunkle Stellen auf, während das Papier sonst eher hell blieb. Dem zweidimensionalen Foto ist der ehemals dreidimensionale Zustand des Objekts sichtbar eingeschrieben.

Bis 
16.07.2017
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kunsthaus Baselland Schweiz Basel/Muttenz
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Markus Amm, Piero Golia 28.04.201716.07.2017 Ausstellung Basel/Muttenz
Schweiz
CH
Künstler/innen
Markus Amm
Piero Golia
Autor/innen
Yvonne Ziegler

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