Barthelemy Menn

Barthélemy Menn · Selbstporträt mit Strohhut, gegen 1867, Öl auf Karton, aufgezogen auf Holz, 42,6 x 60,1 cm © MAH, Genf, Schenkung Marcel Guinand. Foto: J.-M. Yersin
 

Barthélemy Menn · Selbstporträt mit Strohhut, gegen 1867, Öl auf Karton, aufgezogen auf Holz, 42,6 x 60,1 cm © MAH, Genf, Schenkung Marcel Guinand. Foto: J.-M. Yersin

 

Hinweis

Barthelemy Menn

Genf — Barthelemy Menn (1815–1893) war radikal und revolutionär. Er lehnte ab, was die Kunst seiner Zeit untergrub, das Aufgebauschte, das Gespreizte, «l’art pompier». Vielmehr nahm er den Avantgardekünstler des 20. Jh. voraus, der zugleich Besteller, Erzeuger und Richter seines Werks ist, der zudem Zeichnen und Malen, Forschen und Lehren in einer Haltung verbindet. Zwischen Ingres, Delacroix und den Pleinairisten von Barbizon fand er zu einem bewegenden ebenso wissenschaftlichen wie teilnehmenden und idealisierenden Blick auf die Welt. Sein antikisierendes Frühwerk zerstörte er. Menn sind einige der klarsten und tiefsten Bilder des 19. Jh. gelungen, nebst zahlreichen berückenden, mit Menschen und Tieren belebten Land-schaften. So notabene auch das eindring-liche, lichtsprühende Porträt mit Strohhut vor einer Kulisse, die nur aus einer kleineren hell und einer grösseren dunkel grundierten Fläche besteht. Damit scheint er auf die Fusion der dem Tag, der Beobachtung und der Vermessung mit derjenigen der Nacht, der Erinnerung und der Phantasie gehörenden Malerei seiner Zeit zu setzen. Er verkehrte mit Chopin und George Sand, unterrichtete den Sohn der Letzteren, M. Dudevant, Hodler und viele mehr. Eigentlich hätte aus all diesen Gründen die aktuelle, noch vom vorletzten Chefkonservator des über 3000 Werke des Künstlers besitzenden Musée d’Art et d’Histoire/MAH Paul Haupt aufgegleiste Menn-Ausstellung zu seinem 200. Geburtstag im Musée Rath stattfinden sollen. Obschon diese Schau erstmals einen fundierten Überblick schaffen wollte, ist sie nun verkleinert in ein giftgrün und gelb getünchtes, mangelhaft beleuchtetes Cabinet d’arts graphiques gezwängt worden. Und zwar als einer der Seitenanlässe des vom MAH im Januar mit viel Klamauk – wie etwa der bedenklich an Illustrationen absolutistischer Staatstheorien mahnenden Aktion ‹Hodler le roi du selfie› – begonnenen Hodlerjahrs. Verantwortlich für diese Entscheidung zeichnet ein Mediävist von zweifelhaftem wissenschaftlichem Ruf und bescheidenen Meriten, Jean-Yves Marin aus Caen, dem 2009 über seine ICOM-Funktionen eine Beförderung vom Heimatkundemuseum seiner Geburtsstadt an die Spitze des drittgrössten Kunstmuseums der Schweiz gelang und der sich seither bemüht, «tout le monde et surtout les enfants» zu bedienen. Dies hat im früher der künstlerischen Qualität verpflichteten MAH zu einer höchst reduzierten Repräsentation von Positionen geführt. Nun wird nur noch das Allerevidenteste auf oft schrecklich vulgäre Weise überbewirtschaftet auf Kosten von Künstlern (ganz zu schwiegen von Künstlerinnen), deren Nachname nicht bereits alles sagt, wie Rodin, Picasso oder auch Hodler. So Marins Begriff von Grösse. An der Vernissage der Menn-Schau, von der man noch zu einer Hodleraccrochage in das Hautpgebäude des MAH gehetzt wurde, zögerte Marin nicht, Menn für die Vernachlässigung seines eigenen Arbeitens zugunsten des Unterrichtens zu schelten, um zu schliessen: «Aber damit es grosse Künstler gibt, braucht es auch grosse Lehrer.» Jede Geschichte enthält teils absurde Erzählparadigmen. Darf indes ein Museumsdirektor so arrogant, schal und blind an den in seiner Institution unter wenig idealen Bedingungen gezeigten Arbeiten eines Künstlers vorbeisprechen, der sich zeitlebens nur zögerlich auf Ausstellungen und Ehrungen einliess, um «niemals das Beste meines Selbst, meine Werke, einer verkleinernden Kritik auszuliefern»?

Bis 
08.07.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Barthélemy Menn 02.03.201808.07.2018 Ausstellung Genève
Schweiz
CH
Autor/innen
Katharina Holderegger Rossier
Künstler/innen
Barthélemy Menn

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