Die Psyche im Bild

Anonym · Ohne Titel, 22.09.1934, Gouache auf Papier (loses Blatt in einem Buch), 27 x 20 cm © C. G. Jung Institut, Zürich/Küsnacht
 

Anonym · Ohne Titel, 22.09.1934, Gouache auf Papier (loses Blatt in einem Buch), 27 x 20 cm © C. G. Jung Institut, Zürich/Küsnacht

 

Anonym · Ohne Titel, 1917, Gouache auf Papier, 44 x 30,5 cm © C. G. Jung Institut, Zürich/Küsnacht
  

Anonym · Ohne Titel, 1917, Gouache auf Papier, 44 x 30,5 cm © C. G. Jung Institut, Zürich/Küsnacht

  

Hinweis

Die Psyche im Bild

St. Gallen — Kunst von Patienten und Patien-tinnen aus psychiatrischen Anstalten und Kliniken ist längst keine Verschlusssache mehr. Waren es zunächst einige prominente Beispiele, die an die Öffentlichkeit gelangten, wurden bald immer neue Entdeckungen im Kontext zeitgenössischer Kunst oder in spezialisierten Museen präsentiert. Mit ‹Im Land der Imagination› wendet sich eines dieser Häuser, das Museum im Lagerhaus in St. Gallen, nun einem anderen Sonderfall der Kunst zu. Gezeigt wird ein Ausschnitt aus der Sammlung C. G. Jungs. Sie ist mit keiner anderen Sammlung eines Psychiaters seiner Zeit zu vergleichen. Der Schweizer Begründer der Analytischen Psychologie forderte seine aus ganz Europa stammenden Patientinnen und die weniger zahlreichen Patienten auf, ihre inneren Bilder zu aktivieren, zu malen und zu zeichnen. Die Arbeiten entstanden also nicht aus einem eigenständigen Impuls zum künstlerischen Tun, sondern waren Teil des therapeutischen Prozesses. Sie lassen sich auch unabhängig davon betrachten.
Im Museum im Lagerhaus werden die Bildserien und etwas selteneren Einzelbilder inhaltlichen Themen zugeordnet. Archetypen und gesellschaftlich determinierte Motive treten so eindrücklich zutage. Während in den Heilanstalten Menschen aller sozialen Schichten künstlerisch tätig wurden – und dies oft unter prekären Bedingungen mit kunstfernen Materialien –, behandelte C. G. Jung Privat-patientinnen und -patienten, in deren Arbeiten sich nicht selten ein bildungsbürgerlicher Hintergrund spiegelt. So gibt es virtuos ausgeführte Blätter, die an die Bildwelten Johann Heinrich Füsslis erinnern, oder solche, in denen Kompositionen von Giovanni Segantini oder die Schöpfungen Alfred Kubins aufscheinen. Stark reduzierte oder abstrakte Arbeiten reihen sich in die Formensprache der Moderne ein. Zugleich bleiben sie sehr persönliche Zeugnisse einer Auseinandersetzung mit Gedankenwelten, sie bilden Entwicklungsprozesse ab und letztendlich auch die Position der Individuen in einem grösseren System.
Dem Museum im Lagerhaus ist mit dieser 164 Arbeiten umfassenden Ausstellung eine kleine Sensation gelungen: Die Sammlung C. G. Jungs war bisher nicht öffentlich zu sehen. Sie umfasst 4500 Werke und wird noch immer zu Studienzwecken verwendet. Bisher ist die Sammlung nur anhand ihrer Fallnummern erschlossen, die Ausstellung ist ein erster Schritt zu einer Neubewertung. 

Bis 
08.07.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Die Sammlung C.G. Jung 27.03.201808.07.2018 Ausstellung St. Gallen
Schweiz
CH
Autor/innen
Kristin Schmidt

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