Florian Germann — Bildhauerei aus einem Guss

Florian Germann · Ringer, 2018, Ausstellungsansicht Gregor Staiger, Zürich
 

Florian Germann · Ringer, 2018, Ausstellungsansicht Gregor Staiger, Zürich

 

Florian Germann · Ringer, 2018, Ausstellungsansicht Gregor Staiger, Zürich
 

Florian Germann · Ringer, 2018, Ausstellungsansicht Gregor Staiger, Zürich

 

Besprechung

Die Bildhauerei ist ein Medium mit langer Tradition. Wie man dieser Tradition gerecht werden kann, ohne sie lediglich zu verwalten, zeigt Florian Germann derzeit mit einer Schau in der Galerie Gregor Staiger. ‹Ringer› lautet der Titel der subtil orchestrierten facettenreichen Präsentation.

Florian Germann — Bildhauerei aus einem Guss

Zürich — Dass die Bildhauerei sich manches Mal in Materialschlachten verliert oder, anders formuliert, ein Materialfetischismus zuweilen nicht von der Hand zu weisen ist, liegt womöglich in der Natur der Sache. Denn schliesslich geht es um genau das: Materialien finden, formen, neu erfinden und gar synthetisch herstellen und dann arrangieren und modellieren im Sinne des erdachten Kunstwerks. Diese vielschichtige, in unterschiedlichste Richtungen diffundierende künstlerische Praxis sorgt für eine herausfordernde Rezeption, die oft dem Lösen eines Rätsels gleicht – werden doch besonders in der zeitgenössischen Bildhauerei oft aufwendige Rechercheprozesse, referentielle Arbeitsweisen und ästhetische Überlegungen miteinander verquickt.Auch die Ausstellung ‹Ringer› des Zürcher Künstlers Florian Germann (*1978) in der Galerie Gregor Staiger verschliesst sich einer eindeutigen Lesart und bietet in der Rezeption zahlreiche Anknüpfungspunkte, die mal mehr und mal weniger erhellend sind. Was in den schönen und lichtdurchfluteten Galerieräumen im Löwenbräu-Areal zunächst einmal auffällt, ist, wie gut die Werke von Florian Germann als Kollektiv wirken. Die Werkgruppe erscheint wie aus einem Guss, was in diesem Fall wörtlich gemeint ist, denn Abtragungs- und Giessverfahren waren, darüber informiert der Blick in den etwas verklausuliert geschriebenen Begleittext, entscheidende Techniken in allen präsentierten Arbeiten. Die Werke, die in diesem Kontext besonders überzeugen, sehen auf den ersten Blick aus wie Staubsaugerbeutel, sind aber in -Aktion erstarrte Airbags, die nun als Skulpturen an den Wänden befestigt sind – -natürlich auf Gesichtshöhe. Was diese Serie, passend ‹Airbag 1–5› betitelt, so reizvoll macht, ist das Festhalten eines Moments, der in der Realität ja vor allem situativ, plötzlich und unmittelbar geschieht. Eine klassische bildhauerische Geste der Dekontextualisierung, die hier wirklich gut funktioniert. Die Assoziationen, die sich beim Betrachten dieser Werke entwickeln, sind zahlreich: Unmittelbar drängt sich der Gedanke an Schalen oder Vasen auf; auf den zweiten Blick und auch durch die Arbeit -‹Dummy›, -eine Silikonreplik des Künstlers, schlagen sie jedoch die Brücke zu einer klassischen Geste der Bildhauerei: dem Selbstbildnis. Und so sind die Arbeiten von Germann zwar fest im Hier und Jetzt verankert, sei es durch Materia-lität oder Herstellungsverfahren, stehen aber doch zweifelsohne in der klassischen Tradition des gewählten Mediums.

Bis 
02.06.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Florian Germann 21.04.201802.06.2018 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Florian Germann
Autor/innen
Mathis Neuhaus

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