Geist Genf

Caroline Bachmann · Pleine lune lac jaune, 2016, Öl auf Leinwand, 40 x 30 cm
 

Caroline Bachmann · Pleine lune lac jaune, 2016, Öl auf Leinwand, 40 x 30 cm

 

Fred Bott · Ausstellungsansicht Geist Genf, 2018, Kunsthalle Palazzo Liestal
 

Fred Bott · Ausstellungsansicht Geist Genf, 2018, Kunsthalle Palazzo Liestal

 

Hinweis

Geist Genf

Liestal — Die Genfer Szene ist vor allem für Fluxus, Neo-Geo, Appropriation Art und Kunstdesign/Designkunst bekannt, die in calvinistischer Tradition oft eine ikonoskeptische Tendenz hat. In den letzten Jahren ist jedoch wieder ein vielstimmiger Chor figurativer Maler/innen hörbar geworden, die nicht zuletzt im Département Représentation der Haute Ecole de l’art et du design/HEAD einen Ort für Ausbildung und Vertiefung gefunden haben. Anlass genug für Claudia und Julia Müller, dort fünfzehn Co-Dozierende oder Studierende in die Kunsthalle Palazzo einzuladen und ihre malerischen Energien in den vier Sälen einer Gruppierung zu unterwerfen, die einerseits ähnliche Ansätze wie auch charakterliche Eigenheiten der Werke hervortreten lässt. Der Titel ‹Geist Genf› spielt dabei auf die legendäre Berliner Schau 1982 ‹Zeitgeist› an, an der die Vertretern/-innen der Pop, Concept und Minimal Art plötzlich durch Neue Wilde, Transavantgardisten und New Image Painters konkurriert wurden. Obschon die Genfer Maler und Malerinnen kühn an diese damals von vielen mehr als Provokation empfundene und bis heute nicht ganz kanonisierte Bewegung andocken, ist ihre Kunst jedoch weit entfernt von deren genialischen Ergüssen über Liebe und Tod in triefender Ölfarbe auf gewaltigen Leinwänden. Ausser bei Peter Rösch – der Älteste unter ihnen – sind die Gemälde nur mittel- bis kleinformatig und ihren Gesten mutet oft etwas Losgelöstes an. Vor allem bei den aus der Besetzerszene erst spät an die HEAD gekommenen Josse Bailly und Hayam Kam Nakache verbindet sich das spontane Ausströmen von Realitäts- und Medieneindrücken mit Humor zu sozialen Kommentaren. Ähnliches gilt auch für Caroline Tschumis dichte Gemälde, auf denen sich vielfältigste Atmosphären sowie fotorealistische und summarische Behandlungen begegnen, und Zara Idelson Zooms auf Innenleben und Landschaften, die farblich dezenter sind und auch von Leerstellen leben. Weniger Fragen aufreissend als der Seele eine Oase eröffnend, sind trotz ihrer Versetzung mit disparaten Cartoon- und Comicfiguren die tonigen Stillleben von Fred Bott. Eine ausgesprochen transzendente Malerei betreiben wiederum Caroline Bachmann und Vidya Gastaldon. Bei Yoan Mudry springen einen die plakativen Motive in Orange, Türkis, Schwarz regelrecht an; bei Adrian Huber erspäht man sie nur zeichenhaft zwischen bleichen Lasuren. Und während Mathis Gasser dystopische Universen mit einer Erinnerung an Fernand Légers Heroik einer geschlossenen Malhaut einarbeitet, berührt Melanie Akeret mit leichter Hand und da und dort etwas Glitter, Glanz und Gloria eine schrille Märchenwelt. Alles ist möglich!

Bis 
24.06.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Geist Genf 05.05.201824.06.2018 Ausstellung Liestal
Schweiz
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