Hans Josephsohn

Hans Josephsohn · Ohne Titel (Mirjam), 1953, Gips, 205 x 44 x 30 cm, Courtesy Josephsohn Estate, Kesselhaus Josephsohn/Galerie Felix Lehner, Hauser & Wirth. Foto: Stefan Altenburger
 

Hans Josephsohn · Ohne Titel (Mirjam), 1953, Gips, 205 x 44 x 30 cm, Courtesy Josephsohn Estate, Kesselhaus Josephsohn/Galerie Felix Lehner, Hauser & Wirth. Foto: Stefan Altenburger

 

Hinweis

Hans Josephsohn

Essen — Die menschliche Figur ist -zeitlebens sein Hauptmotiv geblieben, formal wie inhaltlich. Die retrospektive Ausstellung ‹Hans Josephsohn. Existenzielle Plastik› im Museum Folkwang versammelt gut 120 Plastiken des Künstlers: Köpfe, liegende oder stehende Ganz- und Halbfiguren, ungestalte Brocken, grob und wuchtig und doch auf eine seltsame Weise grazil, mit schrundigen Oberflächen wie Baumrinde oder Vulkangestein, die erst auf den zweiten oder dritten Blick zu erkennen geben, dass auch sie Köpfe oder Büsten sind. Man sieht einen ganz allmählichen Wandel der Formensprache im Werk Josephsohns (1920–2012), eine strenge Chronologie freilich lässt sich schwerlich festmachen. Als Schüler des Bildhauers Otto Müller (1905–1993) arbeitete er von Beginn an vor allem in Gips und Ton. Den teuren Bronze- oder (den von ihm bevorzugten) Messingguss konnte sich der junge Künstler lange Zeit nur in Ausnahmefällen leisten. Im Übrigen erlaubte ihm der Gips ein sowohl plastisches, nämlich aufbauendes Arbeiten (in feuchtem Zustand) als auch ein skulpturales, wegnehmendes Gestalten (vom ausgehärteten Material). Wunderschön in der Ausstellung sind nicht nur einzelne Gipsskulpturen wie ‹o. T. Mirjam› von 1953, die in ihrem ruhigen Stehen an eine archaische Kore denken lässt. Diese dienten als Vorlage für spätere Güsse, wurden aber immerhin so wertgeschätzt, dass auch sie erhalten blieben. Von ganz besonderem Zauber sind auch die kleinen Reliefskizzen, die plastischen Notate, die in ihrer Kleinheit und Skizzenhaftigkeit neben den Zeichnungen ein wunderbares Ideenarchiv darstellen und den Formfindungsprozess nachvollziehbar machen. Besonders die grossen Reliefs und Bodenarbeiten lassen erkennen, wie der Künstler vorgeht, wie er seine Figuren von innen heraus aufbaut und sie in den Raum hineinarbeitet. Einen Raum, den er selbst mit einer Platte oder einer Art dickem Gesims vorher festgelegt hat und an dem sich seine Gestalten mit ihm zusammen abarbeiten. Den sie zu überwinden suchen, an den sie sich klammern, den sie zu sprengen scheinen und gleichzeitig als eigenen Raum gelten lassen. Wie im Werk Alberto Giacomettis gehen auch in dem von Josephsohn die existenziellen Fragen nach der Verfasstheit des Menschen mit den künstlerischen Fragen nach deren bildhauerischer Umsetzung einher. Es gibt ganz offensichtlich mehrere Antworten auf die eine Frage.
Im Chipperfield-Bau in Essen haben die grossartigen Plastiken Josephsohns eine feine Bühne gefunden. 2020 soll ein weiterer Chipperfield-Bau, die Kunsthaus-Erweiterung in Zürich, fertig werden. 2020 auch wird irgendwo sicher der 100. Geburtstag von Hans Josephsohn gefeiert werden.

Bis 
24.06.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Hans Josephsohn 30.03.201824.06.2018 Ausstellung Essen
Deutschland
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Autor/innen
Katja Behrens
Künstler/innen
Hans Josephsohn

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