Kunststudierende kuratieren — ein vielschichtiges Experiment

A Portrait of a Young Building as an Artist by Artists, 2018, Luftaufnahme der Ausstellung der F+F Schule im Löwenbräu-Areal
 

A Portrait of a Young Building as an Artist by Artists, 2018, Luftaufnahme der Ausstellung der F+F Schule im Löwenbräu-Areal

 

Besprechung

Studierende der F+F Schule für Kunst und Design erproben sich als Kuratoren und Kuratorinnen. Mit Malerei-Professorin Clare Goodwin loteten sie gestalterisches und kritisches Potenzial kuratorischer Arbeit aus – und öffneten Perspektiven fürs Kuratieren als künstlerische Praxis.

Kunststudierende kuratieren — ein vielschichtiges Experiment

Zürich — Wenn Sie das Bild auf der Nebenseite ansehen, setzt das gewissermassen zwischen den Seiten eines Kunstmagazins fort, was ‹A Portrait of a Young Building as an Artist by Artists› Anfang April in den ehemaligen Räumen der Galerie Presenhuber als Ausstellung anbot. Studierende setzten sich kuratierend mit der Realität eines mächtigen Galerieraums und eines an Elan verlierenden Kunst-Clusters auseinander. Dafür luden sie Mitarbeiter/innen des Löwenbräu ein – viele Künstler/innen arbeiten hier mit Nebenjobs. Rund vierzig Teilnehmer/innen lieferten teils sehr heterogene Leihgaben. Sie wurden bewusst nicht an den Wänden installiert, sondern auf umgedrehten Teppichstücken, Resten einer Larry-Bell-Ausstellung bei Hauser und Wirth. Einzelpositionen, darunter Werke von Rob Pruitt, Marcel van Eeden oder Michael Günzburger, gingen in einer Gesamtinstallation auf. Die Reaktionen: «Zuerst dachte ich: Inseln. Dann: Flösse. Jedenfalls scheint mir das, was dort gemacht wurde, etwas mit flössen (der Tätigkeit) zu tun zu haben. Mit Strömung, Holzschlag, sich mit und auf dem Material fortbewegen», sagte eine Besucherin. Ein anderer begrüsste, dass «Unterschiede zwischen Studenten und Nichtstudenten verschwinden». Die Ausstellungsmacher/innen selbst betonten das Landschaftliche ihrer Installation, die Möglichkeit, «sich zwischen den Inseln zu verlieren» oder auch einen Raum zu erleben, «in dem die Zeit wie angehalten scheint». Kritisch sahen sie, dass es «schwierig ist, die einzelnen Werke individuell zu betrachten und sie wertzuschätzen». Tatsächlich wandelt Kuratieren als künstlerische Praxis Werke, Raum und Rahmenbedingungen zu Elementen eines neuen Ganzen. Das nebenstehende Bild kippt das im Löwenbräu entstandene horizontale «Tableau» in die Vertikale, akzentuiert Ausstellung als Problem der Formgebung, dem sich wieder Fragen wie Auswahl, Autorschaft, Rolle des Einzelwerks stellen. Seit der Institutionskritik der Siebziger werden «Kulturen des Kuratorischen» diskutiert, wie Beatrice von Bismarck ihren seit 2009 in der Kunsthochschule Leipzig veranstalteten Studiengang nennt. Statt kuratorischer Dienstleistung, wie sie die Museumsakademie des Joanneums in Wien Ende Mai mit einem Workshop zu ‹Kuratieren und Studieren› behandelte, wird Ausstellen als künstlerische Form, als emanzipatorische Praxis und Forschungsweise bedeutsam, wie es auch die Forschungsgruppe ‹Displays› an der Ensad in Paris betont. Ausstellen heute, so das Fazit auch des F+F-Experiments, richtet sich nicht allein aufs Zeigen, sondern aufs Werden der Kunst.

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