Lynn Hershman-Leeson

Lynn Hershman-Leeson · double syringe michelangelo, Detail aus ‹The Infinity Engine›, 2012
 

Lynn Hershman-Leeson · double syringe michelangelo, Detail aus ‹The Infinity Engine›, 2012

 

3D-Visualisierung des Antikörpers von Lynn Hershman, 2018. Courtesy Novartis Pharma AG. Foto: Novartis / Laurids Jensen
 

3D-Visualisierung des Antikörpers von Lynn Hershman, 2018. Courtesy Novartis Pharma AG.
Foto: Novartis / Laurids Jensen

 

Besprechung

Mit der Ausstellung ‹Lynn Hershman-Leeson: Anti-Bodies› öffnet das Haus der elektronischen Künste die Türen zu den Geheimnissen und Ethiken der Biotechnologie. Bereits seit 2010 widmet sich die berühmte Medienkunstpionierin in ihrem Projekt ‹Infinity Engine› den aktuellsten Entwicklungen.

Lynn Hershman-Leeson

Basel — Am Eingang der Schau hängen weisse Laborkittel, mit denen wir als Performer/innen die Räume von Lynn Hershman-Leesons (*1941 Cleveland, Ohio) ‹Infinity Engine› betreten können. Hinter der ersten Labortür begegnen wir der Schöpfungsdarstellung ‹Double Hands›. Angelehnt an Michelangelos berühmtes Fresko bewegen sich die Spitzen zweier Injektionsnadeln langsam aufeinander zu: Die Entstehung des Lebens verlagert sich zunehmend ins Labor. Im selben Raum befinden sich eine durch Bioprinting entstandene Nase und die dafür notwendigen «Zutaten». Im Film erläutert Anthony Atala die Fortschritte der regenerativen Medizin und zwei Menschen berichten über ihre Gesundung. Die Herstellung von Gewebe und Organen aus körpereigenen Zellen hat den Vorteil, dass die Transplantate vom Patienten nicht abgestossen werden. Diese Besonderheit beflügelt die Biotechnologie. So werden auch in der Krebsbehandlung künstlich hergestellte körpereigene Antikörper eingesetzt. Bei der blossen Darstellung von Behandlungserfolgen und per Gentechnik geschaffenen Lebewesen sowie aufschlussreichen Interviews mit Wissenschaftler/innen zu Risiken und Möglichkeiten von Biotechnologien bleibt Hershman nicht stehen. Wie bereits als Performancekünstlerin und Medienpionierin setzt sie ihre eigene Person ein. Zusammen mit der Novartis Pharma AG hat sie einen Antikörper geschaffen, der aus Aminosäuren besteht, deren Anfangsbuchstaben ihren Namen ergeben. Dieses unsichtbare, winzige Molekül befindet sich in einem kleinen Fläschchen neben einem zweiten Behälter mit einer DNA, die ihr Werk enthält. Beide können durch das Fenster einer Labortür wie Juwelen in einem Tresor betrachtet werden. Während die Produktion und das Aussehen des Antikörpers anhand von typischen naturwissenschaftlichen Posterpräsentationen, farbigen 3D-Animationen und Vergrösserungen von mikroskopischen Aufnahmen nachzuvollziehen sind, bleibt die Herstellung der DNA ein Geheimnis. Hierfür wurden in einem amerikanischen Labor ältere Videoarbeiten sowie die Dokumente des ‹Infinity Engine› in Form von Datenpaketen mittels eines spe-ziellen Codierungsprogramms in DNA gespeichert. Das Potenzial dieser Technologie ist offensichtlich: Die biologische Speicherform ist verglichen mit den technischen Speichern extrem platzsparend. Das wird uns hier bewusst. Hershman ist es jedenfalls gelungen, auf sehr persönliche Weise neuste Entwicklungen künstlerisch zu reflektieren, zu nutzen und zu vermitteln.

Bis 
05.08.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Lynn Hershman Leeson 03.05.201805.08.2018 Ausstellung Basel/Münchenstein
Schweiz
CH
Künstler/innen
Lynn Hershman Leeson
Autor/innen
Yvonne Ziegler

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