Metamorfosi

Ingela Ihrman · The Giant Hogweed, 2016
 

Ingela Ihrman · The Giant Hogweed, 2016

 

Eduardo Navarro · Celestial Numbers, 2018, oben und unten: Metamorfosi, Castello di Rivoli
 

Eduardo Navarro · Celestial Numbers, 2018, oben und unten: Metamorfosi, Castello di Rivoli

 

Hinweis

Metamorfosi

Turin — Schon die Ontologie von Aristoteles setzt eine im Keim angelegte Potenz voraus, damit sich eine Veränderung im Akt verwirklichen kann. Leben ist Transformation: im Werden und im Sterben, im Aufbau und im Abbau. Die Natur spielt es uns vor: Dort, wo biologisch vorprogrammierte Prozesse sich mit dem Zufall ein Stelldichein geben, verwandeln sich die Körper unvorhersehbar, unwahrnehmbar und versetzen uns ständig ins Staunen. Was aber, wenn das Verwandlungspotenzial die Grenzen der bekannten Formen und der Sprache überhaupt überschreitet und in posthumane Phantasiewelten neuer Transzendenz führt, zu undefinierbaren Körpern, wundersamen Gattungen und enigmatischen Wesen? Die katalanische Kuratorin und Leiterin des Instituts Fine Arts an der FHNW in Basel, Chus Martinez, will mit ihrer Ausstellung keine Antworten geben, sondern Fragen stellen: «Und wenn ich eine Blume sein könnte?» oder «Ist in der digitalen Ära die performative Kraft einer metamorphen Transformation noch möglich?» Sieben der geladenen Kunstschaffenden haben mit ortsspezifischen Werken auf Martinez’ Inputs reagiert und schreien über die Materialität ihrer rätselhaften Figuren und Traumwelten Fragen der Identitäten in den Raum. Obwohl die meisten Werke aus statischen Formaten wie Malerei oder Skulptur bestehen und kaum zeitbasierte, transformationsfähige Medien ausgestellt sind, fungiert der nicht einfach zu bespielende, schlauchartige Ausstellungsraum, die «manica lunga» des Castello di Rivoli, als Zeitachse. Die durch ihn schlendernden Betrachter/innen erleben über die Kunstwahrnehmung ihrer sich bewegenden Körper die Metamorphose phänomenologisch am eigenen Leib. So mutieren sie selbst zu gigantischen, dem Boden nachschleichenden Stoffpflanzen der Performancekünstlerin Ingela Ihrman oder schlüpfen in die Haut der kopflos im Raum schwebenden Fabel-wesen von Mathilde Rosier. Sie stürzen sich in die Mythen fallender Pferde und brennender Menschenopfer in den Scherenschnitten von Lin May Saeed oder verlieren sich in den dichten Bleistiftkritzeleien von Ana Soliman. Durch seinen Zählrahmen mit Brotlaiben verweist Edoardo Navarro das Publikum auf die lebenswichtigen metamorphen Prozesse der Mathematik und der Ernährung. Im Innern des begehbaren Stoffuniversums des Berners Reto Pulver wird das Publikum durch mysteriöse Stimmen in den letzten Raum gelockt, welcher alle transzendenten Energien noch einmal bündelt. Auf im Kreis angeordneten Hockern lauscht das Publikum den in albanische, iso-polifonische Gesänge umgesetzten Texten über die Architektur des Verlusts und fragt sich, ob und wie viel Entscheidungsbeteiligung ihm zusteht im Prozess der Umwandlung und ob es wirklich alles mit sich geschehen lassen muss. 

Bis 
24.06.2018
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Metamorfosi – Lasciate che tutto vi accada 06.03.201824.06.2018 Ausstellung Rivoli
Italien
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