Monika Stalder — Ein Mond mehr als üblich

Monika Stalder · XIII MOONS, Ausstellungsansichten, Stadtgalerie Bern. Foto: David Aebi
 

Monika Stalder · XIII MOONS, Ausstellungsansichten, Stadtgalerie Bern. Foto: David Aebi

 

Monika Stalder · XIII MOONS, Ausstellungsansichten, Stadtgalerie Bern. Foto: David Aebi
 

Monika Stalder · XIII MOONS, Ausstellungsansichten, Stadtgalerie Bern. Foto: David Aebi

 

Besprechung

In offenen Werkzyklen verwebt Monika Stalder Ebenen von -Populärkultur mit Malerei und Clubbing. Sie streift Themen wie Unendlichkeit, Rationalität und Spiritualität. Gerade Letztere scheint im Zeitalter digitaler Reproduzierbarkeit veraltet, und doch liegt gerade hier eine Aktualität.

Monika Stalder — Ein Mond mehr als üblich

Zürich — In den vom technischen Fortschritt geprägten Sechzigerjahren -waren Unendlichkeit und deren Erfahrungsmöglichkeiten Topos in Wissenschaft und Kunst. Man sandte Sonden ins All, um neue Zivilisationen und Siedlungsgebiete zu finden – wie man das heute auch wieder tut. In der Kunst kratzten Protagonist/innen mit ihrem Erkenntnisdrang an der Unendlichkeit. Man kreierte Räume, welche die Bedingungen der Erfahrung thematisierten, die aber eher an Spiritualität oder Esoterik grenzten als an exakte Wissenschaften. Während ihres Atelierstipendiums in der Binz39 in Zürich 2016 startete Monika Stalder inspiriert vom Werk des Komponisten La Monte Young, vor allem seinem ‹Theatre of Eternal Music›, einen Werkzyklus. Sie besuchte La Monte Youngs ‹Dream House› in New York, einen in violettes Licht gehüllten Raum, in dem ein Sinuswellengenerator-Sound einen unendlich langen Song spielt und einen Antagonismus zwischen Rationalität und Spiritualität entfaltet. Für ihre bis Mitte Mai gezeigte Ausstellung ‹XIII Moons› in der Stadtgalerie Bern baute sie eine das ‹Dream House› zitierende Installation auf, die das Publikum in -einen atmosphärischen Wahrnehmungsraum katapultierte. Angelehnt an den Ambient-Musikstil, der auf La Monte Youngs Drone-Konzept zurückgeht, summte die Künstlerin einen B-Akkord auf Dubplates und bezog sich so auf die Voyager-Sonden, die ins All hinausgeschossen wurden, um Lebewesen über die Menschheit zu informieren. Diese Dubplates sind allerdings nicht für die Unendlichkeit geschaffen, da sich die Rillen schnell abnutzen. Am Ausstellungsende blieb nur noch ein Rauschen der Stimme übrig. Die dreizehn Monde im Ausstellungstitel – die sich auf den ungewöhnlichen Mondzyklus dieses Jahres beziehen – zeigte die Künstlerin als gross- und kleinformatige Malereien. Während der Ausstellung wurden in der ‹hommage à la lune›-Reihe Konzerte veranstaltet. In ‹Future Moons› bei BALTSprojects in Zürich baut Stalder nun erneut eine Installation auf, die eigenen kosmologischen (Kunst-)Gesetzen folgt. Auch Konzerte werden stattfinden. Monika Stalder mag mit ihrem Werkzyklus die Allgegenwart des Digitalen aufgreifen, die ein optimiertes und besseres Leben verspricht – wie damals die Wissenschaft und Technik der Sechzigerjahre. Vieles von dem, was zu sehen ist, bleibt im Unausgesprochenen und Angedeuteten, irrational könnte man das nennen. In ihren Erfahrungsräumen wird das Publikum mit dem Bestehen und Vergehen konfrontiert, der einzigen Konstante des Lebens, die sich unendlich fortsetzt. 

Bis 
21.06.2018
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ortabsteigend sortieren Land
Monika Stalder 05.04.201812.05.2018 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Monika Stalder 02.05.201821.06.2018 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Monika Stalder
Autor/innen
Stefan Wagner

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