Naama Tsabar, Rossella Biscotti — Wiedergeben und Zuschütten

Naama Tsabar · Barricade (links) und Transition (rechts) und Installation, 2018. Foto: Serge Hasenböhler
 

Naama Tsabar · Barricade (links) und Transition (rechts) und Installation, 2018. Foto: Serge Hasenböhler

 

Rosella Biscotti · The City, 2018, Still aus Videoinstallation
 

Rosella Biscotti · The City, 2018, Still aus Videoinstallation

 

Besprechung

Im Kunsthaus Baselland rütteln drei ausgesprochen spannende Künstlerinnen an musealen Benimmregeln, gemeinschaftlichen Umgangsformen oder künstlerischen Bewertungskriterien. Wie kann ich Werke sinnlich erfahren? Wie lebt man zusammen? Wie viel Wert ist das «gleiche» Bild als Gemälde oder Fotografie?

Naama Tsabar, Rossella Biscotti — Wiedergeben und Zuschütten

Basel / Muttenz — Die Werke der in New York lebenden israelischen Künstlerin Naama Tsabar (*1982) im Untergeschoss muten auf den ersten Blick streng formal an: naturbelassene Leinwände, über die feine farbige Streifen in grafischen Formationen führen. Doch dann merkt man, dass es sich um farbige Drähte, Cinch-Stecker und Elektrokabel handelt, die an manchen Stellen sogar über die Leinwand nach -unten baumeln. Erst wenn sich im Nebenraum jemand traut, zwischen die ein enges Dreieck bildende Mikrophonphalanx von ‹Barricade› zu treten und etwas von sich zu geben, entpuppt sich der nichtbildliche Charakter der sogenannten Transitions. Sie geben das Gesprochene oder Gesungene wieder. Denn Tsabar hat Verstärker auseinandergebaut, die Verkabelungen verlängert und zeichnerisch über die Leinwand geführt, um sie anschliessend wieder anzuschliessen. Die restlichen Komponenten befinden sich samt Lautsprecher hinter der Leinwand. Was wie ein Bild erscheint, ist gleichzeitig ein Tonwiedergabeobjekt. Nicht eindeutig einer Gattung zuzuordnen sind auch Tsabars ‹Work On Felt›-Arbeiten: bordeauxfarbene, dunkelblaue oder schwarze Filzrechtecke, die an der Wand befestigt und mit Klaviersaiten partiell in den Raum gespannt sind. Wer sich getraut, eine Saite zu zupfen oder die Filzoberfläche zu berühren, erfährt die auditive Komponente des Objekts am eigenen Leib. Wiederum ist das Visuelle nur ein Teil der Arbeit. Die taktile Beziehung des Publikums zum Kunstwerk stellt bewusst übliche Benimmregeln in Frage. Der gewollte, sehr unmittelbare Zugang exploriert zudem eine Alternative zu den weitgehend männlich konnotierten Umgangsformen in der Rock- und Popmusik. Während der Art Basel werden Performerinnen die Werke bespielen, derweil eine Sängerin zwischen den Mikrofonen von ‹Barricade› agiert, sodass sich der Klang bis in den vordersten Raum ausweitet. Die Italienerin Rossella Biscotti (*1978) überzeugt derweil im Annex mit einer fein austarierten Fünfkanalvideoarbeit, in der sie die historische Erforschung und konkrete Erfahrung des vergangenen und gegenwärtigen Zusammenlebens an einer neolithischen Ausgrabungsstätte in der Türkei visualisiert. Wegen des Putschversuchs 2015 musste der Ort wieder verschlossen werden, eine karge weite Landschaft ist zurückgeblieben. Die Amerikanerin Rochelle Feinstein (*1947) stellt schliesslich ein Bild als Gemälde und als Fotografie zur wertenden Disposition.

Bis 
16.07.2018
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kunsthaus Baselland Schweiz Basel/Muttenz
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Naama Tsabar 20.04.201816.07.2018 Ausstellung Basel/Muttenz
Schweiz
CH
Rochelle Feinstein 20.04.201816.07.2018 Ausstellung Basel/Muttenz
Schweiz
CH
Rossella Biscotti 20.04.201816.07.2018 Ausstellung Basel/Muttenz
Schweiz
CH

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