Sarah Burger und Michael Günzburger

Sarah Burger · New Continent (yellow), 2017, Digitalprint auf Stoff
 

Sarah Burger · New Continent (yellow), 2017, Digitalprint auf Stoff

 

Michael Günzburger · Masse B, 2018, Gips
 

Michael Günzburger · Masse B, 2018, Gips

 

Hinweis

Sarah Burger und Michael Günzburger

Baden — Wie halten sie es mit der Zusammenarbeit? Sarah Burger und Michael Günzburger nehmen in ihrer Ausstellung ‹Kaltschale› im Trudelhaus Baden die unterschiedlichen Arten des gemeinsamen Arbeitens zur produktiven Vorlage. Ein Balanceakt, denn Doppelausstellungen verfallen allzu schnell in Monologe, die keine ästhetischen Reibungsflächen erzeugen. Diesen Umstand wollen die beiden vermeiden. Ihre Zusammenarbeit begann mit der Vorproduktion. Sie einigten sich auf ein konkretes Vorgehen und auf bestimmte Materialien. Mit Gips schufen sie in der Testphase von Februar bis Mai je separate Dummies, die nicht als Ausstellungsexponate dienten, sondern die Zurichtung des Materials erkennen liessen. Das methodologische Ausloten mittels Materialien und gemeinsamer Gestaltungssitzungen ergab – kaum verwunderlich – unterschiedliche Skulpturen, die eigene Handschriften trugen. Die originären Skulpturen zeigten die Male des Austauschs, in dem Momente der Intimität und Widersprüche auftreten wie auch das Aushalten anderer Meinung: eine künstlerische Meditationsübung mit offenem Ausgang. Die Umsetzung der Ausstellungsobjekte hingegen ist für die Aufbauzeit im Trudelhaus vorgesehen. In der dreiwöchigen Einrichtungsphase entstehen die Skulpturen am Ausstellungsort. Das gewohnte Ausstellungsdisplay des Hauses wird in einen Negativ-Raum überführt. Dunkle Wandstellen des gewohnten Ausstellungsdisplays werden beleuchtet, helle erfahren nicht die übliche Lichtintensität. Die Inszenierung lenkt die Aufmerksamkeit auf die Skulpturen. Das von Sarah Burger und Michael Günzburger gewählte dialogische Verfahren zielt offensichtlich nicht auf die Einschreibung einer Handschrift in Material, die man als klassisches Vorgehen bezeichnen könnte, sondern auf eine Form der Aktivität. Die Objekte dienen als ein Verweis auf eine Aufführung. Die Kunstschaffenden haben in der Vergangenheit mit performativen Strategien gearbeitet, die mitunter auch in Performances gipfelten. Um ‹Kaltschale› zu deuten, sollte man sich also mit dem Wort «Erschaffen» behelfen, denn semantisch richtet dieses die Aufmerksamkeit auf Aktivität. Das Erschaffen als Bedingung, um überhaupt zu verstehen, stützt sich auf die Zusammenarbeit mit dem Publikum, denn Assoziationen sind wichtiger für das Verständnis der Skulpturen als deren mögliche eingeschriebene Bedeutungen, die es zu finden gilt. Die Ausstellung verbleibt also in einem Dialog, nicht durch ein antwortendes Gegenüber, sondern durch die Hervorrufung einer Suchbewegung, die eher auf das Gespür zielt als auf eine feststehende Aussage. Das wiederum ist ein intellektueller Akt, denn zu verstehen, dass Aussagen auf einer Vielzahl möglicher Prämissen beruhen, die es zu bündeln und zu deuten gilt, ist eine glückliche Herausforderung, welche die Kunst einem immer wieder von Neuem aufträgt.

Bis 
08.07.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Kaltschale. Sarah Burger und Michael Günzburger 09.06.2018 Galerienrundgang Baden
Schweiz
CH
Sarah Burger, Michael Günzburger 25.05.201808.07.2018 Ausstellung Baden
Schweiz
CH

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