Thomas Brasey

Thomas Brasey · Guilherme Tell, 2018, aus der Serie ‹Boaventura›, Farbfotografie
 

Thomas Brasey · Guilherme Tell, 2018, aus der Serie ‹Boaventura›, Farbfotografie

 

Thomas Brasey · Kaffee, aus der Serie ‹Boa-ventura›, Schwarzweissfotografie
 

Thomas Brasey · Kaffee, aus der Serie ‹Boa-ventura›, Schwarzweissfotografie

 

Hinweis

Thomas Brasey

Winterthur — Es ist eine berührende Ausstellung, die sich ihrem Thema von drei Seiten her nähert: über Bilder von Landschaften und Stadtlandschaften, über Porträts junger und alter Menschen, über metaphorisch aufgeladene Fotos von Objekten in abstrakt weissem Raum. Zusammen erzählen die 74 Aufnahmen in der Ausstellung ‹Boaventura› ein Stück Geschichte, das zweihundert Jahre zurückliegt: Schweizer Auswanderungsgeschichte. Ziel der 1819 aufbrechenden rund zweitausend Menschen, darunter viele Freiburger, die Armut und Missernten hinter sich lassen wollten, war die 1818 gegründete Kolonie Nova Friburgo nordöstlich von Rio de Janeiro. Ein Stück Schweiz in der Fremde? Sieht man den Menschen die Schweizer Vergangenheit noch an? Thomas Brasey (*1980, Lausanne) hat ihnen ins Gesicht geschaut. Er hat ins Urwald- und Wiesengrün der Umgebung geblickt und Häuser – manche mit Chaletcharakter – und Strassen der nicht sehr attraktiv wirkenden Stadt festgehalten. Ein Denkmal von Wilhelm Tell mit Sohn vor Palmen, einmal an einer Weggabelung ein Schild, das zum «Canton Suisse» weist, darunter kleiner das Schild mit der Aufschrift «Sem saida»: ohne Ausgang, Sackgasse. Und dann, auch sie mit grosser Ruhe und vorurteilsfreier Genauigkeit aufgenommen, die bezeichnenden Dinge, die für Vergangenheit, Leid, für bestimmte Tatsachen stehen: das nackte Kaffeepflänzchen und die eiserne Sklavenfessel, die daran erinnert, dass sich die Plantagen nur mit Hilfe von Sklaven bewirtschaften liessen. Der Haifisch, das Leichentuch, die brennenden Kerzen, die an die geldgierigen Organisatoren der Siedlertransporte denken lassen und an die vielen, die unterwegs starben und ins Meer geworfen wurden. Geschichte(n) und Schicksal, manches ist in Legenden angedeutet. Vor allem aber wirft Thomas Brasey, beteiligt und zugleich im ernstesten Sinne ironisch, mit seinen Fotografien zum Abenteuer Nova Friburgo Fragen auf zu Identität, zu Heimat und Fremde, zu Migration zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Wir sehen: Geschichte und Schicksale wiederholen sich, unter anderen Vorzeichen. – Die Ausstellung wird von einem schön gestalteten Katalog mit Beiträgen von Christophe Mauron (Musée gruérien, Bulle) und Kurator Sascha Renner begleitet (Kehrer 2017). 

Bis 
16.06.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Dominik Zietlow, Thomas Brasey 28.04.201816.06.2018 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH
Autor/innen
Angelika Maass
Künstler/innen
Thomas Th.

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