Keith Sonnier — Catching the Light: Sending and Receiving

Keith Sonnier · Dis-Play, 1967–1968, Ehemalige Sammlung Rolf Ricke im Kunstmuseum St. Gallen, Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt/M, Installations­ansicht, Kunstmuseum St. Gallen © ProLitteris. Foto: Sebastian Stadler

Keith Sonnier · Dis-Play, 1967–1968, Ehemalige Sammlung Rolf Ricke im Kunstmuseum St. Gallen, Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt/M, Installations­ansicht, Kunstmuseum St. Gallen © ProLitteris. Foto: Sebastian Stadler

Keith Sonnier · Positive-Negative, 1970, Installationsansicht Kunstmuseum St. Gallen © ProLitteris. Foto: Sebastian Stadler

Keith Sonnier · Positive-Negative, 1970, Installationsansicht Kunstmuseum St. Gallen © ProLitteris. Foto: Sebastian Stadler

Besprechung

Keith Sonnier wurde im selben Jahr geboren wie Bruce Nauman. Seine Arbeiten wurden – wie diejenigen von Nauman – in ‹When Attitudes Become Form› 1969 in der Kunsthalle Bern gezeigt. Trotz dieser Analogien ist Sonniers aktuelle Ausstellung nicht mit der Schau von Nauman im Schaulager 2018 zu vergleichen.

Keith Sonnier — Catching the Light: Sending and Receiving

St. Gallen — Als junger Künstler hat Keith Sonnier (*1941) alle erdenklichen Medien erkundet. Seine Praxis schliesst Plastik, Installation, Video, Neon, Performance und Zeichnung ein. Die Arbeiten können sauber und schlicht oder chaotisch sein. Dies zeigt sich in der Ausstellung, die sich als eine etwas zusammengewürfelte Gruppe früher Skulpturen und eine überraschende Auswahl von Videos erweist. Keith Sonnier wurde vor allem für seine Neonarbeiten bekannt. Von den für die Schau ausgewählten Werken aus den Jahren 1967–1994 wurde das aussagekräftigste leider in einer Ecke platziert. Es handelt sich um ‹Dis-Play›, 1967–1968, eine Plastik, die eine architektonische Form aussteckt und gleichzeitig eine Art schützenden Zaun um sich selbst legt. Parallel zu den Neonarbeiten hat sich Sonnier vor allem in den späten Sechziger- und Siebzigerjahren mit Video beschäftigt. Er lotete das noch junge Medium aus, um herauszufinden, wie man Sichtbares aufnehmen und verzerren kann. Die Videos sättigte er mit viel optischen Informationen – Farben, Handlungen, Nachrichtensendungen – und schuf so überwältigende Werke wie ‹Animation I›, 1973. Der Film aus überlagerten Fernsehbildern ist mit einer Tonspur aus Radiokanälen unterlegt, darunter einer Stimme, die vom Flugzeugabsturz von Robert Smithson berichtet. Die Videos flimmern über elf Monitore, während drei weitere, etwas besser lesbare und ästhetisch genussvollere Filme projiziert werden. So ‹Positive-Negative›, 1970, wo sich der Kopf einer jungen Frau in einem Positiv- und einem Negativbild dreht, sodass sich die Köpfe mal anschauen und mal zur Janusgestalt verschmelzen. Die Schau macht deutlich, wie sich Sonnier und seine Genossen auf die damals neuen Medien sowohl enthusiastisch wie auch kritisch einliessen. Sonniers Videos sind nicht zeitlos, vielmehr sind es Zeitdokumente einer Epoche, in der das ­Medium neue technische Möglichkeiten anbot und gleichzeitig neue Fragen auslöste. So mischt das Video ‹Send/Receive Satellite Network: Phase 1›, 1977, Bild, Stimme und Text in neuartiger Weise und verbindet Künstler an der Ost- und der Westküste. Zugleich hebt es aber hervor, wie die Satellitentechnik vom Militär wie auch von kommerziellen Mächten genutzt wurde. Zum Schluss stossen wir auf ‹New York, Hook Up›, 1970: Zwei konische Lautsprecher, zwei Mikrofone, ein Verstärker und ein Mischpult stehen im sonst leeren Raum. Nichts passiert, bis wir beim Vorbeigehen ein erbarmungsloses Audiofeedback aktivieren, das uns aus dem Raum jagt. Vorsicht, alle Medien haben scharfe Zähne.

Bis 
20.10.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Catching the Light: Sending and Receiving 06.04.201920.10.2019 Ausstellung St. Gallen
Schweiz
CH
Autor/innen
Aoife Rosenmeyer
Künstler/innen
Keith Sonnier

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