Maya Rochat — Living in Painting

Maya Rochat · Too Much Metal For One Hand, 2019, Detail, Living in Painting, Die Mobiliar, Bern

Maya Rochat · Too Much Metal For One Hand, 2019, Detail, Living in Painting, Die Mobiliar, Bern

Besprechung

Der Titel der Installation und Ausstellung ‹Living in Painting› von Maya Rochat ist durchaus wörtlich zu verstehen. Die Lausanner Malerin geht mit ihrer Installation aufs Ganze und verwandelt die Ausstellungsräume in der Mobiliar in Bern in ein wogendes Farbenmeer.

Maya Rochat — Living in Painting

Bern — Grosse Partien der Wände und Böden des Ausstellungsbereichs sind mit schillernd-abstrakten Motiven der Künstlerin Maya Rochat (*1985), diesjährige Trägerin des Prix Mobilière, bedeckt. Man wandelt in einem Wabern und Wogen von psychedelischen Farben, leicht berauscht von diesem visuellen Blubbern und Wirbeln. In Kombination mit den Lampen der Cafeteria im kühnen Sechzigerjahre-Stil entsteht eine leicht nostalgische Science-Fiction-Stimmung, etwa so, als wäre man in den Kulissen eines Weltraumfilms aus dem vorigen Jahrhundert gelandet. Das passt zu Maya Rochats Vorliebe für Heavy Metal – der Katalog erwähnt, dass die in Lausanne lebende Künstlerin sich bei der Arbeit an ihren blasig-bunten, halluzinatorischen Bildern von hartem Rock inspirieren lässt, umgekehrt zeigen viele Plattencover von Metal-Bands eine deutliche Vorliebe für farbdurchwogte Fantasy-Welten. Maya Rochat entwickelt iher Bilder auf der Basis von Fotografien, die verzerrt, bemalt, zerrissen, übereinandergeschichtet werden. So entstehen ­Farbgeflechte, in denen hier und dort noch ein Stück Landschaft oder eine Hand auftaucht. Auf wand- und bodenfüllende Formate gezogen, verlieren sich solche Details dann ­allerdings leicht wieder. Die Bildtapeten und -teppiche zwischen Fotografie und Malerei, auf denen ihrerseits wieder Bilder hängen, sind als Auseinandersetzung mit der viel ­zitierten Bilderflut der Gegenwart konzipiert – eine Auseinandersetzung in Form der Übertreibung, der Überspitzung. Das funktioniert vor allem da, wo Maya Rochat weitgehend in sich geschlossene Farbräume oder -nischen gestalten kann, da rollt gewissermassen eine Bild-Sturmflut über die Besucherinnen und Besucher hinweg. Dort, wo Ein- und Ausblicke in Flure und Besprechungsräume sich öffnen, klinkt sich immer wieder eine irritierende Nüchternheit ein. Und auch das an sich sehr geglückte Zusammenspiel mit der Cafeteria-Beleuchtung zeigt am Ende doch auch, wie schwierig es ist, einen so grossen, dabei aber alles andere als neutralen Raum, der durch geschäftliche Wege und Beschäftigungen geprägt ist, zu bespielen. Der bereits erwähnte Katalog zur Ausstellung präsentiert neben Maya Rochat, die den mit CHF 30’000 dotierten Prix Mobilière erhält, auch die weiteren sieben nominierten Kunstschaffenden. Diese werden von Kuratorinnen und Kuratoren vorgeschlagen, ­ihre Auswahl gibt also einen Einblick, welche Themen, welche Formen, welche Persönlichkeiten die Menschen in der Ausstellungsszene zurzeit beschäftigen. 

Bis 
20.08.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Maya Rochat 11.04.201920.08.2019 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Maya Rochat

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