News — Alles andere als verstaubt

Paul Thek, Franz Wanner und Christine Streuli · Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern, 2019. Foto: Marc Latzel

Paul Thek, Franz Wanner und Christine Streuli · Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern, 2019. Foto: Marc Latzel

Claudia Comte, John M. Armleder und Christoph Rütimann · Ausstellungsansicht Kunstmuseum ­Luzern, 2019. Foto: Marc Latzel

Claudia Comte, John M. Armleder und Christoph Rütimann · Ausstellungsansicht Kunstmuseum ­Luzern, 2019. Foto: Marc Latzel

Besprechung

Der Titel der Sammlungsausstellung ‹News› im Kunstmuseum Luzern klingt wie eine ironische Replik. Denn der Präsentation von Exponaten aus dem eigenen Haus haftet oftmals das Renommee an, ein wenig innovatives Sammelsurium zu sein. In Bezug auf ‹News› scheint ein solches Urteil mehr als verfehlt.

News — Alles andere als verstaubt

Luzern — Ausgehend von Begriffen, wie ‹Ordnung und Freiheit›, ‹Sternenhimmel› oder ‹Gesten› zeigt die Präsentation der Museumsbestände, dass die Verknüpfung von zeitlich auseinanderliegenden Werken auf reizvolle Weise neue Interpretationszugänge eröffnet. Mit dem Auftakt der Ausstellung wird etwa das in der Kunst nicht erst seit der Romantik beliebte Sujet des Waldes durch Arbeiten von Jos Näpflin bis Vito Acconci multimedial aufgeschlüsselt. Raumgreifend nimmt sich dabei die Bodeninstallation von Giuseppe Penone (*1947) aus: Wie ein freigelegtes Gerippe durchzieht der elf Meter lange, sezierte Baumstamm den Raum und legt naturwissenschaftliches Interesse nahe. Daneben warten Robert Zünd (1826–1909) und Hans Emmenegger (1866–1940) mit romantisch bis dramatisch inszenierten Ansichten auf, die den Wald im Medium der Malerei von seiner poetischen Seite her beleuchten. Einen anderen Fokus legt die Schau auf die Strategie der Aneignung. Unter dem Übertitel ‹D’Après› zeigen etwa Michael Buthes (1944–1994) ‹Madonna›, 1972–1979, oder Alois Fellmanns (1855–1892) ‹Mädchen mit weissem Kopftuch›, 1879, exemplarisch auf, wie unterschiedlich Künstler aus dem Fundus der Kultur schöpfen, um sich entweder eklektizistisch darin einzuschreiben oder auf provokative Weise davon abzusetzen. So lässt Buthes Installation mit den verrosteten Gartenutensilien und den schmutzig wirkenden Textilien an alles andere als die Reinheit verkörpernde Muttergottes denken. Demgegenüber haftet Fellmanns Bildnis ein Anflug nostalgischer Sentimentalität an: Mit ihrer antiquierten Kopfbedeckung erinnert die in feinmalerischer Qualität gezeigte Halbfigur an ein Porträt aus dem späten Mittelalter. Feierlich im Sinne des 200-Jahr-Jubiläums der Kunstgesellschaft Luzern wartet die Ausstellung auch mit Neuzugängen auf. Darunter befindet sich auch die jüngst als Schenkung erhaltene Ölmalerei von Ferdinand Hodler (1853–1918) ‹Bezauberter Knabe›, 1905. Gezeigt wird das kostbare Werk in unmittelbarer Nähe zu Max Buris ‹Rothaarigem Mädchen›. Die Gegenüberstellung legt beredtes Zeugnis vom Einfluss Hodlers auf das Schaffen des «Malers von Brienz» ab: So weisen die zarten Töne und das helle Inkarnat bemerkenswerte Gemeinsamkeiten mit der Palette Hodlers auf. Mit der dynamischen Zusammenschau der Werke überwindet ‹News› das althergebrachte Klischee von Sammlungspräsentationen ebenso wie Christoph Rütimanns (*1955) monumentale Stahlrohrkomposition: Seine ‹endlose Linie›, 1989, durchbricht buchstäblich die Wände des Museums. 

Bis 
16.06.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
News! 09.03.201916.06.2019 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Autor/innen
Tiziana Bonetti

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