Sebastião Salgado

Sebastião Salgado · Meerechse (Amblyrhynchus cristatus), 2004, weltweit die einzige an ein Leben im Salzwasser angepasste Echsenart, Galapagos, Ecuador © Amazonas images

Sebastião Salgado · Meerechse (Amblyrhynchus cristatus), 2004, weltweit die einzige an ein Leben im Salzwasser angepasste Echsenart, Galapagos, Ecuador © Amazonas images

Sebastião Salgado · Blick vom Navajo-Territorium auf den Zusammenfluss von Colorado und Little Colorado, 2010, dahinter beginnt Grand-Canyon-­Nationalpark © Amazonas images

Sebastião Salgado · Blick vom Navajo-Territorium auf den Zusammenfluss von Colorado und Little Colorado, 2010, dahinter beginnt Grand-Canyon-­Nationalpark © Amazonas images

Hinweis

Sebastião Salgado

Zürich — Was für ein Wort: Genesis – Schöpfung. Und was für Bilder, die sich für die Schöpfung einsetzen, für eine verletzliche, bedrohte Schöpfung, die es zu bewahren gilt. Auch bewusst zu machen. Und zu zeigen, ohne Verklärung, aber in ihrer ganzen Schönheit: Lebewesen in ihrem Element. Zügelpinguine, Königs- oder Goldschopfpinguine zum Beispiel, der Südliche Glattwal, die Antarktische Pelzrobbe. Ihr Element ist das Wasser und Eis der um den Südpol gelegenen Meeres- und Landgebiete, so wie die Galapagosinseln der Lebensraum von Meerechsen sind oder der Virunga-Nationalpark in Ruanda die Heimat einer kleinen Population von Berggorillas. Im tiefen Süden war er und im hohen Norden, in Afrika und Amazonien, hat, wie er selbst es nennt, «Zufluchtsorte» von Menschen und Tieren auf Madagaskar oder West-Papua besucht und von allem Zeugnis abgelegt: in grossartigen Bildern von überwältigender Schönheit; in gültig-beredtem Schwarzweiss; vorurteilsfrei, aber wissend – der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado. «‹Genesis› ist eine Suche nach der Welt, wie sie einmal war, wie sie sich formte und entwickelte, wie sie über Jahrtausende existierte, bevor die Beschleunigung des modernen Lebens uns zunehmend vom Wesentlichen unserer Existenz distanzierte.» So leitet Lélia Wanick Salgado, die Frau des heute 75-Jährigen und Kuratorin der Schau im Museum für Gestaltung, die Erläuterungen zu den 245 ausgestellten Fotografien ein. Da steht man denn vor den vielen grossen Bildern, die auf 32 Reisen und im Lauf von acht Jahren des genauen Schauens entstanden sind, spürt Sebastião Salgados absolute Aufrichtigkeit – und sucht sich ins Verhältnis zu setzen. Ins Verhältnis zur anrührenden Plastizität, mit der das Gesehene, das Motiv, das Gegenüber sozusagen Stellung bezieht vor unseren Augen. Es ist beruhigend, einen Blick in diese von der Zivilisation verschonten Weiten zu werfen und zu sehen, dass manches von der uranfänglichen Schöpfung noch immer existiert und zu sagen scheint: Ich bin, wie ich bin. Wir sind, wie wir sind. Es ist, wie es ist. Und es ist beunruhigend, weil wir wissen, wozu Menschen fähig sind, von denen Salgado, lange Jahre als Fotoreporter unterwegs, nicht zuletzt wegen seiner Erfahrungen im Jugoslawienkrieg weiss: «Wir sind bösartige, schreckliche Tiere.» Salgado hält aber ebenso fest an seinem grossen Traum, dass die Zerstörung der Natur umkehrbar sei, und lebt es mit seiner Frau im ‹Instituto Terra› vor. Und wir? Genau hinschauen wäre ein erster Schritt und dem einzigartigen Licht von Saldagos Fotogra­fien folgen. 

→ Museum für Gestaltung, bis 23.6.; mit Filmporträt ‹Das Salz der Erde›
www.museum-gestaltung.ch
www.institutoterra.org

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Sebastião Salgado – Genesis 16.11.201823.06.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Angelika Maass
Künstler/innen
Sebastião Salgado

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