Simone Forti — Körperliche Welterfahrung

Simone Forti · Zuma News, from Nonfictions – Gorbachev Lives/Zuma News/Questions – Gemeinschaftsarbeit von Jeremiah Day, Simone Forti, Fred Dewey, 2014, gefilmt von Jason Underhill. Courtesy The Box, LA

Simone Forti · Zuma News, from Nonfictions – Gorbachev Lives/Zuma News/Questions – Gemeinschaftsarbeit von Jeremiah Day, Simone Forti, Fred Dewey, 2014, gefilmt von Jason Underhill. Courtesy The Box, LA

Besprechung

Konzentrierte, spontane Körperbewegungen als Ausdruck von sozialen und politischen Wissens- und Gedankenprozessen stehen im Zentrum der Arbeit von Simone Forti. Das Kunsthaus Baselland präsentiert ihre erste Soloschau in der Schweiz mit einer dichten Auswahl an Werken von den Sechzigern bis heute.

Simone Forti — Körperliche Welterfahrung

Basel/Muttenz — Wie können anhand minimaler Gesten und alltäglich wirkender Bewegungsmuster Dinge über die Welt in Erfahrung und zum Ausdruck gebracht werden? Wie verarbeitet der Körper Nachrichten und Geschehnisse, die uns die Medien in einer Flut aus Bildern und Worten präsentieren? Ein kognitiver Akt, bei dem Geist und Verstand doch häufig an Grenzen stossen. Bei ihrer Performance ‹Zuma News›, 2013, wandelt Simone Forti (*1935, Florenz) die Erzähltechnik des Bewusstseinsstroms in einen Rhythmus aus frei improvisierten Bewegungen um, der durch die rauschenden Wellen des Meeres im Hintergrund mitgetragen wird. Dabei setzt sie mehrere gros­se Stapel von Zeitungen dem Wind, der Brandung und den Bewegungen des eigenen Körpers aus. Die Nachrichtenblätter werden zum plastischen Material, dessen Inhalt dadurch zwar der Auflösung preisgegeben, aber zugleich haptisch und in neuer Form «begreifbar» gemacht wird. Das Video bildet den Auftakt zur Werkschau, die den Bogen von den Anfängen ihres tänzerischen und choreografischen Schaffens um 1955, als Studentin der Tanzpionierin Anna Halprin, bis zur Wiederaufführung von Performances aus ihrer Serie der ‹Dance Constructions› zu spannen vermag. Drei ausgewählte Stücke (‹Huddle›, ‹Slant Board› und ‹Platforms›) werden durch eine eigens formierte Gruppe von Künstler/innen zusammen mit Tänzer/innen aus der Region Basel vor Ort einstudiert und aufgeführt. Der Akt des bewussten Übertragens und Weiterreichens von Kenntnissen und Wissen an eine jüngere Generation verdeutlicht zusätzlich die experimentelle und forschende Haltung, die Fortis künstlerische Arbeit grundlegend auszeichnet. Sich selbst begreift Forti zudem weniger als Performerin denn als Bewegungskünstlerin, die sich auf eine derartig fortschreibende Weise dem Stillstand ihres Werks gekonnt zu entziehen vermag. Ihre Choreografien und Bewegungsanleitungen sind geprägt von Einfachheit, Präzision, Improvisation und ihrem Interesse an natürlich geprägten Formen und Verhaltensweisen. So auch in dem Stück ‹Huddle›, 1961/2019, bei dem eine Gruppe von Performer/innen ihre Körper zu einem beweglichen Haufen verschränken. Abwechselnd löst sich eine Person heraus und steigt über alle anderen, bis sie sich erneut eingliedert und das stille Wechselspiel sich wiederholt. Es ist eine Choreografie von wellenhafter Dynamik an der Schnittstelle zwischen Tanz und Skulptur. In der Ausstellung zirkuliert das Publikum durch eine Abfolge sich lose verbindender Videoarbeiten, Objekte, Fotografien, Texte und Performances, bei denen es wesentlich um die Befragung und Erforschung des Verhältnisses des Körpers zur Umwelt geht. 

Bis 
07.07.2019
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kunsthaus Baselland Schweiz Basel/Muttenz
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Simone Forti 17.05.201907.07.2019 Ausstellung Basel/Muttenz
Schweiz
CH
Künstler/innen
Simone Forti
Autor/innen
Alice Wilke

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