Thomas Schütte

Thomas Schütte · Drittes Tier, 2017, patinierte Bronze, Wasserpumpe, 350 x 410 x 215 cm, © ProLitteris. Foto: Aurélien Mole

Thomas Schütte · Drittes Tier, 2017, patinierte Bronze, Wasserpumpe, 350 x 410 x 215 cm, © ProLitteris. Foto: Aurélien Mole

Thomas Schütte · United Enemies, 2011, Patinierte Bronze, 406,4 x 203,2 x 226,1 cm, © ProLitteris. Foto: Aurélien Mole

Thomas Schütte · United Enemies, 2011, Patinierte Bronze, 406,4 x 203,2 x 226,1 cm, © ProLitteris. Foto: Aurélien Mole

Hinweis

Thomas Schütte

Paris — Mit 27 Jahren, in seinem Diplomjahr an der Kunstakademie Düsseldorf, schuf Thomas Schütte ‹Mein Grab›. Auf dem ­roten Mausoleum im Massstab 1:20 stand als Sterbedatum der 25. März 1996. Inzwischen ist Schütte 64, betreibt seit 2016 in der Nähe von Düsseldorf seine eigene Stiftung, realisierte zum Bauhaus-Geburtstag in Krefeld einen Pavillon und verknüpft im Grossen wie im Kleinen mit munterem Witz Skulptur, ­Malerei und Architektur zu ernsten Scherzen. Ein Amalgam aus Groteske, Tragödie und Elegie, wie Dieter Schwarz, nach seinem Weggang aus Winterthur jetzt Kurator an Schüttes Skulpturenhalle, bemerkt. Seit seiner Selbstbestattung mit 27 wandeln wir auf des Bildhauers Grabe, lernen: Kunst wird im Nachleben, entfernt den Künstler als Autor. Präsent sind die Skulpturen des 2005 mit dem Goldenen Löwen der Venedig-Biennale ausgezeichneten Oldenburgers jetzt in Frankreich in der Monnaie de Paris als ‹Dreiakter›. Unter diesem Titel richtete er 1982 mit drei grossen Gemälden, vor denen Miniatur-Silhouetten und Objekte stehen, des Bildhauers Welttheater ein. Seine Methode, Raum durch Verschiebung, Erzählung, Übersetzung zu dehnen und zu schrumpfen, spielt er in den Innenhöfen der 1775 eingerichteten Münze von Paris aus. Neben vier Meter hoch in Bronze umgesetzten ‹United Enemies› von 2011, deren kleine Fimo-Version Mitte der Neunziger die Kunstwelt entzückte, kann der Besucher über ‹Drittes Tier› und dessen dampfende Nüstern schmunzeln, das Schütte 2017 nach dem Modell eines bunten Knetwesens giessen liess. Das hatte einst eines seiner Kinder gemacht – ironisch führt der Künstler Goethes klassischen Duktus mit Barthes’ postmodernem Autor-Entzug weiter. Überhaupt liest sich die Ausstellung wie ein Bildungsroman: Schütte, Meister der Bildhauerkunst, erzählt mit Objekten, Aquarellen, Architekturmodellen das Leben und Bilden seines Werks, führt es in einem begehbaren Pavillon eng. Wieder blitzt Goethe auf, der Mineraloge: ‹Kristall II› lautet der Titel der 2014 geschaffenen Hausskulptur. 

Bis 
16.06.2019

Werbung