Transversal — Landschaften aus der Sammlung

Hermann Scherer · Bergtannen I, 1911–1927, Sammlung Werner Coninx (links); Albert Müller · o.T., um 1925, Zeichnungen und Holzschnitt; Lise Gujer · Blumenteppich, nach 1952, nach einem Entwurf von Ernst Ludwig Kirchner, Courtesy Bündner Kunstmuseum Chur (rechts). Foto: Thomas Strub

Hermann Scherer · Bergtannen I, 1911–1927, Sammlung Werner Coninx (links); Albert Müller · o.T., um 1925, Zeichnungen und Holzschnitt; Lise Gujer · Blumenteppich, nach 1952, nach einem Entwurf von Ernst Ludwig Kirchner, Courtesy Bündner Kunstmuseum Chur (rechts). Foto: Thomas Strub

Hans Danuser · Dreiteiliger Versuch zu grosser Wandbild-Ausstellung, Wildwechsel I, II, III, 1993, Fotografien (hinten); Monica Ursina Jäger · liquid territories, 2019, Installation (vorne). Foto: Thomas Strub

Hans Danuser · Dreiteiliger Versuch zu grosser Wandbild-Ausstellung, Wildwechsel I, II, III, 1993, Fotografien (hinten); Monica Ursina Jäger · liquid territories, 2019, Installation (vorne). Foto: Thomas Strub

Besprechung

Graubünden gilt als Bergkanton. Die Gebirgslandschaft, die Auswanderung und der Tourismus prägen auch den Schwerpunkt der Sammlung des Bündner Kunstmuseums. Hundert Jahre nach seiner Gründung zeigt das Haus nun eine facettenreiche Spannweite an Landschaftsdarstellungen.

Transversal — Landschaften aus der Sammlung

Chur — Schillernde, lichterfüllte Gemälde von Giovanni Segantini (1858–1899), Giovanni Giacometti (1868–1933) und Augusto Giacometti (1877–1947) zählen zu den Glanzstücken der Sammlungsbestände von um 1900. Die Mitbegründer der Moderne in der Schweiz wurden umgetrieben von ihrer Auseinandersetzung mit impressio­nistischen Farbtheorien, zeigen in ihren Oberengadiner und Bergeller Landschaften teilweise aber auch Einflüsse vom Jugendstil. Daneben finden sich in der Schau Darstellungen von Davos, wo Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), aber auch Albert Müller (1897–1926) und Hermann Scherer (1893–1927) das Gesehene in schwungvolle expressionistische Bilder gossen. In romantischen Landschaftsfotografien hielt Albert Steiner (1877–1965) zwischen 1908 und 1920 die Übermacht der Natur fest. Jahrzehnte später hat sich die Annäherung an das Thema Landschaft stark gewandelt: 1991 bringt Richard Long (*1945) die Unmittelbarkeit von Naturerlebnissen in den Kunstraum. Die als Weg angeordnete ‹Alpine Line› des Land-Art-Künstlers besteht aus Basaltsteinen aus Buchs und zählt zu den neueren Erwerbungen. Wiederum rund zwanzig Jahre später wird Landschaft schliesslich grundsätzlich zur Disposition gestellt, so etwa von Florio Puenter (*1964) oder auch von Gabriela Gerber (*1970) & Lukas Bardill (*1968). In vermeintlich romantisierenden Bildern legen Letztere den kulturellen Gehalt des voralpinen Raums offen. Über mehrere Tage filmten sie 2008 die Heuwagen auf der Prättigauer Alp Partnun vom selben Standpunkt aus: Die siebenteilige Videoarbeit ist keineswegs nur Formstudie, sondern macht in der Mehrkanalansicht der Bilder die Eingriffe des Menschen in die Natur überdeutlich. Einen aktuellen Aspekt lässt auch Monica Ursina Jäger mit ihrer jüngsten, mehrteiligen Arbeit ‹liquid territories›, 2018/19, aufscheinen. Ihre Installation mit Fotocollagen, Sand, Texten und Zeichnungen auf einer an ein Kieswerk erinnernden Holzkonstruktion verweisen auf die politische Brisanz von Landgewinnung. Sand – von erodierten Gesteinsformationen herrührend – ist ein in menschlichen Zeiträumen nicht erneuerbares Gut, dessen Bedarf aber als Rohstoff für Beton und Strassenbau stetig steigt. Für die Präsentation in Chur hat Jäger ihre Arbeit, die auf ihren Forschungsaufenthalt im NTU Centre of Contemporary Arts in Singapur zurückgeht, vom Fokus auf Singapur, dem weltweit grössten Sandimporteur, um Aspekte der Bündner Sandgewinnung aus dem Untervazer Feld ergänzt. 

Bis 
24.11.2019

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