Architecture of Deception

Gregor Sailer · Thames Town II, Songjiang, China, 2016 (vorne); Armee-Übungsschacht in Schnöggersburg I, 2016 (hinten), C-Prints auf Alu­Dibond © ProLitteris. Foto: Dominik Gigler

Gregor Sailer · Thames Town II, Songjiang, China, 2016 (vorne); Armee-Übungsschacht in Schnöggersburg I, 2016 (hinten), C-Prints auf Alu­Dibond © ProLitteris. Foto: Dominik Gigler

Emmanuelle Lainé · De saines habitudes de travail pour que les gestionnaires occupés restent dans cet état de conscience pure, 2020, Installation © ProLitteris. Foto: Dominik Gigler

Emmanuelle Lainé · De saines habitudes de travail pour que les gestionnaires occupés restent dans cet état de conscience pure, 2020, Installation © ProLitteris. Foto: Dominik Gigler

Hinweis

Architecture of Deception

München — Der Geiselnehmer mit Sturmhaube 1972 beim Attentat auf die israelischen Athleten im Münchner Olympia-Dorf gehört zu den Fotodokumenten, die ins kollektive Bildgedächtnis der Nachkriegszeit eingebrannt sind. Das Schweizer Duo Cortis & Sonderegger stellt die Szene für seine Serie ‹Icons› nach. Sie beziehen sich auf bestehende Bilder, machen deren Re-Inszenierung sichtbar und zeigen so die Manipulierbarkeit des Sehens auf. Derzeit ist die Fotoinstallation teil der Ausstellung ‹Architecture of Deception› in München. Das Kuratorenduo Sam Bardaouil und Till Fellrath (artReoriented) hat sie für den BNKR-Kunstraum konzipiert. Dieser liegt im Erdgeschoss eines 1943 errichteten Hochbunkers, der 2014 zum Wohn- und Geschäftshaus umgebaut wurde. Alle beteiligten Künstler greifen den Aspekt der Tarnung auf, der für den Bunker galt: Er sollte von aussen (vor allem aus der Luft) nicht sofort als solcher erkennbar sein. In seiner Fotoserie ‹The Potemkin Village› interessiert sich Gregor Sailer für architektonische Camouflage. Darin sammelt er nicht nur pittoreske Repliken wie die einer englischen Kleinstadt nachempfundene ‹Thames Town› in China. Er zeigt auch unbelebte Strassenzüge mit Kulissencharakter, und die u. a. als militärische Übungsgelände dienen. The Swan Collective wiederum nutzt selbst das Prinzip der – virtuellen – Täuschung und entführt in ‹Here we are – a Turning Torture› per VR-Brille in verwinkelte Innenräume, in denen man bald den Boden unter den Füssen verliert. Und die Stimme aus dem Off suggeriert die Aufhebung des Ichs und Verwandlung in eine künstliche Intelligenz. Emanuelle Lainé setzt auf ein Trompe-l’œil und erweitert den Raum durch eine Fototapete: Zu sehen sind PC-Arbeitsplätze auf bunten Yogamatten; Kaffeetassen und allerlei persönliche Gegenstände verweisen auf die Individuen, deren Abwesenheit diese menschenleere Arbeitswelt prägt. Da erklärt sich der Titel ‹Handlungsanweisung zum gesunden Arbeitsverhalten, um sich den Zustand reinen Bewusstseins zu bewahren› von selbst. Ornamentale Camouflage hingegen betreibt Bettina Pousstchi. Sie verfremdet in ‹Framework› ein Fachwerkdetail, indem sie es vervielfacht, vergrössert und in Keramik überträgt, so dass man ihre Wandarbeit für ein Element der Baukunst des Orients hält. Das «Making of» filmischer Traumwelten zeigt schliesslich Hans Op de Beeck in ‹Staging Silence›, ohne deren Magie zu zerstören. 44 Minuten lang wandelt sich ein Miniatur-Set in immer neue (Stadt-)Landschaften im Lauf der Tages- und Jahreszeiten. «Architektur der Täuschung» besticht nicht zuletzt durch den starken Ortsbezug. Die Schau kratzt an Gewissheiten und bereitet zugleich das uralte Thema der Illusion in der Kunst zeitgemäss auf. 

Bis 
20.12.2020
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BNKR Deutschland München
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The Architecture of Deception 09.09.202020.12.2020 Ausstellung München
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