Editorial — Malen, so weit die Arme reichen

Christine Streuli · Lange Arme, kurze Beine (Detail), 2020, Mixed Media direkt auf Wand und Leinwand, 550 x 2301 cm, Courtesy Galerie Mark Müller, Zürich, und Sfeir-Semler Gallery, ­Hamburg/Beirut. Foto: David Aebi

Christine Streuli · Lange Arme, kurze Beine (Detail), 2020, Mixed Media direkt auf Wand und Leinwand, 550 x 2301 cm, Courtesy Galerie Mark Müller, Zürich, und Sfeir-Semler Gallery, ­Hamburg/Beirut. Foto: David Aebi

Editorial

Editorial — Malen, so weit die Arme reichen

Auch der kleinste Klecks wurde hier so oft überarbeitet, bis er zur Fläche oder zum plastischen Akzent geworden ist. Bei einigen Werken scheint der Geruch von Bindemitteln noch in der Luft zu hängen, bei anderen glaubt man, den Plotter der Druckmaschine nachklingen zu hören. Christine Streuli ist Malerin und hat sich mit allen Sinnen der Farbe verschrieben. Ihr Umgang mit dem Medium hat ebenso analytisches wie deterministisches Potenzial. Im Begleittext zur Ausstellung im Kunstmuseum Thun schreibt sie: «Malerei ist, die eigene Empfindsamkeit und die des Gegenübers kennen- und einschätzen zu lernen, um sie immer wieder zu vergessen und neu verhandeln zu können.» Ihr Schaffen ist nicht nur das Ausreizen einer künstlerischen Sprache, es ist ein physisches und psychisches Kräftemessen mit einer elementaren Energie – der Leuchtkraft der Farbe. Und damit verbunden ein Austesten der formalen Mittel und Werkzeuge. Dies geht bei Christine Streuli weit über ein alchemistisches Pröbeln im Atelier und über handwerkliche Präzision hinaus. Vielmehr greift sie das ganze Arsenal zeitgenössischer Bild- und Farbgebungsverfahren auf. Ihr Experimentieren ist Hingabe und Verausgabung zugleich. Dabei transformiert sie Energie in sich überlagernde Flächen, Strukturen und Gesten, die Leinwände sprengen und auf die Wand und in den Raum hinauswirbeln. Die grossflächigen ­Malereien erzeugen eine ansteckende sinnliche Intensität und ­lassen gleichzeitig deutlich werden, wie existenziell Farbe ist. In der ganzen Bandbreite vom immateriellen Flimmern einer spektralen Schwingung über das alltägliche Kolorit bis zu den digital erzeugten Realitäten auf unseren Bildschirmen. Ohne Farbe würden wir verkümmern wie ein Pflänzchen ohne Licht. 

Bis 
12.07.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Lange Arme, kurze Beine 29.02.202012.07.2020 Ausstellung Thun
Schweiz
CH

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