Evelina Cajacob — Wiederholung, Bewegung, geerdete Leichtigkeit

Evelina Cajacob · Wienzimmer, 2017, Rauminstallation mit 434 Zeichnungen, mit Bettinstallation, 2001, Ausstellungsansicht Bündner Kunstmuseum Chur. Foto: Ralph Feiner

Evelina Cajacob · Wienzimmer, 2017, Rauminstallation mit 434 Zeichnungen, mit Bettinstallation, 2001, Ausstellungsansicht Bündner Kunstmuseum Chur. Foto: Ralph Feiner

Evelina Cajacob · Gartenzimmer, 2020, Wandzeichnung, mit Landschaftsbild, 2013, Ausstellungs­ansicht Bündner Kunstmuseum Chur. Foto: Ralph Feiner

Evelina Cajacob · Gartenzimmer, 2020, Wandzeichnung, mit Landschaftsbild, 2013, Ausstellungs­ansicht Bündner Kunstmuseum Chur. Foto: Ralph Feiner

Besprechung

Sanft, unaufdringlich und poetisch. So lässt sich die Arbeit von Evelina Cajacob beschreiben. Dabei scheint die Auseinandersetzung mit der Linie der Faden zu sein, der ihr multimediales Œuvre durchzieht. Aktuell gewährt die Ausstellung ‹Tanzen anders› im Bündner Kunstmuseum Chur Einblick in ihr Schaffen.

Evelina Cajacob — Wiederholung, Bewegung, geerdete Leichtigkeit

Chur — Evelina Cajacob (*1961, Sumvitg) hegt seit jeher eine besondere Faszina­tion für das Zeichnen, die Handarbeit, und auch für die haptischen Qualitäten unterschiedlicher Materialien. Seit 1993 als freischaffende Künstlerin tätig, hat Cajacob, die in Malans und Chur lebt, in den vergangenen Jahren ein facettenreiches Œuvre entwickelt, dessen Themen sich jeweils aus neuen zeitlichen Perspektiven heraus stets wiederholen. Dabei liegt ihre Intention darin, Ursächlichkeiten auf den Grund zu gehen und Unsichtbares sichtbar zu machen. Obwohl raumgreifende Interven­tionen und Videoinstallationen zu ihrem Werk hinzugekommen sind, ist der Akt des Zeichnens das zentrale Moment von Cajacobs künstlerischer Suche geblieben: Ihre Auseinandersetzung mit der Linie durchdringt und verbindet ihr gesamtes Schaffen. Ihre erste Überblicksausstellung, die sich über elf miteinander verbundene Räume des Bündner Kunstmuseums erstreckt, gibt Einblick in Cajacobs vielschichtiges Schaffen: Spontan gezeichnete, kleinformatige Blätter haben darin ebenso ihre Berechtigung wie grossflächig angelegte Zeichnungen, Objekte aus verschiedenen Materialien und Videoinstallationen. Indem die Schau nach thematischen Schwerpunkten (Zeichnung, Materialität bzw. Handarbeit, Zeitlichkeit) gegliedert ist, eröffnet sich ein breiterer Blickwinkel auf die einzelnen Werktypen der Künstlerin. Durch die dezidierte Gegenüberstellung von älteren und neuen Arbeiten – exemplarisch hierfür seien die Installation ‹Vorhang›, 2010, und die Videoarbeit ‹StoffTraum›, 2015, genannt – wachsen die eigentlich für sich allein stehenden Werke zu einer in sich geschlossenen Einheit zusammen. Betrachtet man die Ausstellung hingegen in ­ihrer Gesamtheit, fungieren die früher entstandenen Arbeiten – vornehmlich Objekte – quasi als Anker, der die äusserst fragil scheinende Leichtigkeit der jüngeren auszubalancieren vermag. Ein Besuch der Retrospektive, deren Konzeption in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bochum entstand, wird für das Publikum zu einem kontemplativen Ausflug in eine subtil gefärbte Atmosphäre: Man betritt Evelina Cajacobs poetischen Kosmos, der darauf abzielt, durch Wiederholung, Bewegung und den Versuch stetiger Entmaterialisierung zum Wesen der Kunst vorzudringen. 

Bis 
13.09.2020

→ ‹Evelina Cajacob — Tanzen anders›, Bündner Kunstmuseum Chur, bis 13.9.; Katalog mit Beiträgen von Daniela Hahn, Stephan Kunz, Christine Pfammatter und Corinne Schatz, Verlag für moderne Kunst ↗ www.buendner-kunstmuseum.ch

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Evelina Cajacob 21.03.202013.09.2020 Ausstellung Chur
Schweiz
CH
Künstler/innen
Evelina Cajacob
Autor/innen
Ginia Holdener

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