Kiki Kogelnik — Unter die Haut gehende Popkunst

Kiki Kogelnik · Les cyborgs ne sont pas respectueuses, Ausstellungsansichten Musée des beaux-arts La Chaux-de-Fonds, 2020. Foto: Marie Gaitzsch

Kiki Kogelnik · Les cyborgs ne sont pas respectueuses, Ausstellungsansichten Musée des beaux-arts La Chaux-de-Fonds, 2020. Foto: Marie Gaitzsch

Kiki Kogelnik · Les cyborgs ne sont pas respectueuses, Ausstellungsansichten Musée des beaux-arts La Chaux-de-Fonds, 2020. Foto: Marie Gaitzsch

Kiki Kogelnik · Les cyborgs ne sont pas respectueuses, Ausstellungsansichten Musée des beaux-arts La Chaux-de-Fonds, 2020. Foto: Marie Gaitzsch

Besprechung

Das Musée des beaux-arts zeigt ausserhalb von Wien die erst zweite Einzelschau der lange nur als Mode-Ikone erinnerten österreichischen ­Popkünstlerin Kiki Kogelnik und ihrer Wahlheimat New York. Gekonnt sind dabei biografische und thematische Aspekte verschränkt.

Kiki Kogelnik — Unter die Haut gehende Popkunst

La Chaux-de-Fonds — Kiki Kogelnik (1935, Graz – 1997, Wien) war eine produktive Künstlerin und eigentlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sie schuf zunächst ab­strakte, expressive Werke in der Szene rund um die Galerie St. Stephan. Beinahe hätte sie Arnulf Rainer geheiratet. 1962 zog sie nach New York. Hier wurde ihr klar, dass die Klinge das zeitgemässere Kunstwerkzeug sei als der Pinsel. Die Retrospektive im Altbau des Musée des beaux-arts setzt mit der Zäsur ein, als Kogelnik sich den Montagetechniken der Popkunst zuzuwenden begann. Damit rehabilitiert die Schau ihren künstlerischen Beitrag zu einer Szene, in der Frauen nur als Musen vorgesehen waren. Gross, schlank, schön und mit Sinn für Mode vermochte Kogelnik zwar ein solches Charisma durchaus zu verkörpern und wurde von ihren Peers gerne auf Feste eingeladen, aber damit hatte es sich. Dennoch, als Popkünstlerin, die auf Malerei fokussierte, passte sie um 1970 nicht wirklich zu den ersten Künstlerinnen, die sich gegen einengende Frauenrollen mit neuartigen Performances, Videos und Fotos erhoben. Erst die Entdeckung einer oft weiblichen, farbigen oder ausserangelsächsischen Popkunst in den letzten Jahren brachte ans Licht, dass Kogelnik bereits in den 1960ern nichts anderes getan hatte, als Frauenbilder aus den Massenmedien herauszugreifen und sie als primitive Fantasien durchzudeklinieren. In drei thematisch geordneten Sälen im Neubau stossen wir auf die regelmässig von ihr aufgegriffenen Themen. Diese zeigen, dass sie sich nicht nur mit einer zur Phrase verkommenen Weiblichkeit auseinandersetzte, indem sie etwa Frauenfiguren in Gemälden farblich verfremdete und in Installationen in Form von vervielfachten ­Vinylhäuten ausbreitete. Kogelnik beschäftigte sich auch eindrücklich mit dem Schicksal des Frauenkörpers angesichts des medizinischen Fortschritts. Das vom Direktor und Kurator der Ausstellung David Lemaire augewählte Zitat von Donna Haraway ‹Les cyborgs ne sont pas respectueuses› gibt denn auch einen passenden Titel her. Ab 1963 konstruierte Kogelnik weibliche Organe pixelmässig aus runden Antibaby­pillendosen und ab 1966 imaginierte sie die In-vitro-Genese eines weltalltüchtigen Menschengeschlechts in Neonfarben. Dabei erscheint die Künstlerin ebenso von den neuen Perspektiven fasziniert wie getrieben von Angst vor einer kolossalen Überforderung durch die Technik – zwei Themen, die aus heutiger Sicht durchaus aktuell wirken. 

Bis 
20.09.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
KIKI KOGELNIK. LES CYBORGS NE SONT PAS RESPECTUEUSES 23.02.202020.09.2020 Ausstellung La Chaux-de-Fonds
Schweiz
CH
Autor/innen
Katharina Holderegger Rossier
Künstler/innen
Kiki Kogelnik

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