Kunsträume — Le Foyer, ein nomadisches Format

Jiří Makovec, Grafikteam Jungle Books, Jiajia Zhang, Atelier Zürich Oerlikon, 4.9.2019, Foto: Le Foyer

Jiří Makovec, Grafikteam Jungle Books, Jiajia Zhang, Atelier Zürich Oerlikon, 4.9.2019, Foto: Le Foyer

Silvie ­Defraoui, Last Tango, Zürich, 25.8.2018; Foto: Le Foyer

Silvie ­Defraoui, Last Tango, Zürich, 25.8.2018; Foto: Le Foyer

Claude ­Sandoz, Atelier Luzern, 5.5.2018. Foto: Le Foyer

Claude ­Sandoz, Atelier Luzern, 5.5.2018. Foto: Le Foyer

Fokus

Die 2011 gegründete Gesprächsplattform ‹Le Foyer› wandert seit zwei Jahren als nomadisches Format durch die Schweiz: Von Land zu Stadt, von Atelier zu Museum. Die Gespräche mit den Künstlerinnen und Kuratoren setzen aber nicht beim ­fertigen Produkt an, sondern einen Schritt davor – mitten in der Entstehung. 

Kunsträume — Le Foyer, ein nomadisches Format

Wir sehen das Werk im Ausstellungsraum, betrachten es, bilden uns eine Meinung darüber, gehen wieder. Dass dahinter monate- oder gar jahrelange Arbeit steckt, wird selten sichtbar. An diesem Punkt knüpfen Gioia Dal Molin, Gabrielle Schaad und Yasmin Afschar mit der Gesprächsplattform ‹Le Foyer› an. «Wir möchten die Arbeits- und Produktionsprozesse beleuchten, die in einer Ausstellung meist verborgen bleiben», sagt Dal Molin, die seit Kurzem am Istituto Svizzero in Rom und Mailand kuratiert. Und die in Zürich und München tätige Dozentin Gabrielle Schaad fügt an: «Im Rahmen von ‹Le Foyer› sollen Kunstschaffende die Gelegenheit haben, auch mal über ihre Recherchen, ihre Interessen oder jene Nebenschauplätze zu sprechen, die für ihre künstlerische Praxis gleichermassen relevant sind.» ‹Le Foyer› wurde 2011 von Dal Molin und Schaad im Offspace Perla-Mode in Zürich gegründet, der zwei Jahre später einem Neubau weichen musste. Danach bezogen sie eine Zwischennutzung in der Sihlpost, anschliessend eine in der Nähe vom Volkshaus, die ihnen aber unerwartet gekündigt wurde.  «Einen geeigneten oder zahlbaren Raum zu finden, war schon damals extrem schwierig, insbesondere in der selbstorganisierten Kunstszene», so Dal Molin. Nach unterschiedlichen Kooperationen in temporären Kunsträumen stellte sich die Frage der Beheimatung 2017 erneut. Also wie weiter? Dal Molin und Schaad krempelten das Format mit der neu dazugestos­senen Yasmin Afschar um und konzipierten es als nomadische Gesprächsplattform. So wurde ‹Le Foyer› zu ‹Le Foyer – In Process›, bezugnehmend auf den mobilen Charakter der Plattform und den inhaltlichen Fokus. Yasmin Afschar, Kuratorin am Aargauer Kunsthaus, sagt: «Es werden künstlerische, aber auch kuratorische Prozesse besprochen, die den Kunstbetrieb im weitesten Sinne thematisieren.» Entsprechend den wechselnden Austragungsorten ist das Publikum heterogen: Ein Offspace in der Stadt wird von anderen Personen besucht als ein etabliertes Kunstmuseum oder ein abgelegenes Industrieareal. Nicht zuletzt zeichne sich ‹Le Foyer› durch seinen reflexiven Charakter aus, so Dal Molin. Als Künstlerin oder Künstler mit einem breiten Publikum über die eigene Arbeit zu sprechen, für die noch nicht alle Entscheidungen getroffen wurden, schaffe Raum für neue Gedanken. «Eine noch unfertige Arbeit zu präsentieren und sich auf diesen Austausch einzulassen, das braucht viel Mut.»

Giulia Bernardi ist freie Autorin, sie lebt in Zürich. giulia.bernardi@outlook.com

Kunsträume — Die Reihe wird realisiert mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

→ Le Foyer – In Process, ‹Miriam Sturzenegger›, Biel, am 11.7.; Angaben zum Ort der Veranstaltung folgen: ↗ www.lefoyer-lefoyer.ch

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Le Foyer Schweiz Zürich
Autor/innen
Giulia Bernardi

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