Stephanie Hess — Im Angesicht der Maske

Stephanie Hess · Fratzen 1-4, 2020, Tüll, Silikon, Metallstangen, Ausstellungsansicht Benzeholz

Stephanie Hess · Fratzen 1-4, 2020, Tüll, Silikon, Metallstangen, Ausstellungsansicht Benzeholz

Stephanie Hess · Maske 2-38, 2019–20, Styropor, Gips, Acryl, Tempera, ­Make-up, Nagellack, ­Ausstellungsansicht Benzeholz

Stephanie Hess · Maske 2-38, 2019–20, Styropor, Gips, Acryl, Tempera, ­Make-up, Nagellack, ­Ausstellungsansicht Benzeholz

Besprechung

Masken sind in der Gesellschaft omnipräsent – metaphorisch, bei der Fasnacht, oder – aktuell – die medizinischen Schutzmasken. Um Masken dreht sich auch die Schau von Stephanie Hess im Benzeholz. Im Fokus stehen dabei das Sich-Exponieren und Angeblicktfühlen sowie das Spiel mit Identitäten.

Stephanie Hess — Im Angesicht der Maske

Meggen — Zwischen einer mächtigen Astgabel blickt uns die Künstlerin durch eine überdimensionierte, abstrahierte Maske an. Drei kleine runde Aushöhlungen auf ­einer weissen Styroporfläche deuten Augen- und Mundöffnungen an. In der nächsten Filmszene sehen wir eine historische Aufnahme, die das gefesselte Publikum bei einer Aufführung des Zauberkünstlers Harry Houdini zeigt. Die von beruhigenden Klängen untermalten kurzen Videosequenzen zeigen Hess, wie sie maskiert in diversen Settings Bewegungsabläufe und Positionen ausprobiert: Mal imitiert sie in einem undefinierbaren Raum den Flügelschlag eines Schmetterlings, ein anderes Mal kauert sie auf Moosflechten neben einem rauschenden Bach oder sitzt auf dem Gerüst einer leeren Fabrikhalle. Passend dazu nimmt sich der Titel der Arbeit, ‹Etüden›, 2020, aus. Abstrakt sind auch die Larven in der installativen Arbeit ‹Maske 2-38›, 2019–2020. Auf königsblau gestrichenen Wänden blicken uns 37 verschiedenfarbige Gesichtsschablonen aus Styropor und Gips an. Mit Acryl, Tempera, Make-up und Nagellack hat die Künstlerin sie in kreisenden Bewegungen schichtartig bemalt. So wird die Aufmerksamkeit auf die reliefartige Materialität der zwischen Objekt und Bild oszillierenden Masken gelenkt. Darüber hinaus werden Fragen zum Verhältnis von Werk und Publikum angestossen: Wer blickt hier wen an? Ist es das Publikum, das die Masken betrachtet, oder wird es vielmehr selbst von den Masken fixiert? Weniger um «sehen und gesehen werden» als vielmehr um das buchstäbliche «Durchschauen» geht es in der Installation ‹Fratzen 1-4›, 2020: Vier hintereinander aufgehängte Tülltücher mit aus Silikon geformten Phantomgesichtern regen zur Durch-Sicht an. Die für Mund und Augen ausgesparten Stellen geben den Blick auf ein dahinterliegendes Fenster mit Panoramablick auf den Vierwaldstättersee frei. Während Hess in den minimalistisch geformten Masken darauf vertraut, dass wir in jeder noch so abstrakten Struktur ein Gesicht erkennen, zielt sie mit Arbeiten wie ‹Fortune Dancer›, 2020, auf esoterische Verfahren ab: Besuchende, die ihre Jacke am Garderobenständer abgeben, erhalten eine Tarotkarte. Damit hält nicht nur das Okkulte in der Ausstellung Einzug, auch die schlichte Kleiderstange wird zum Objekt mit Kunstcharakter. Anders die Masken: Ihre Positionierung auf Augenhöhe suggeriert eine theatralische Situation. Sie weisen auf das – auch in dieser Schau – zentrale Interesse der Künstlerin am Prozesshaften und Performativen.

Bis 
14.06.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Exposed 14.03.202014.06.2020 Ausstellung Meggen
Schweiz
CH
Autor/innen
Tiziana Bonetti
Künstler/innen
Stephanie Hess

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