Edvard Munch — Im Dialog

Edvard Munch · Der Kuss, 1921, Öl auf Leinwand, Sarah Campell Blaffer Foundation

Edvard Munch · Der Kuss, 1921, Öl auf Leinwand, Sarah Campell Blaffer Foundation

Marlene Dumas · Evil is banal, 1984, Öl auf Leinwand, 125 x 105 cm

Marlene Dumas · Evil is banal, 1984, Öl auf Leinwand, 125 x 105 cm

Hinweis

Edvard Munch — Im Dialog

Wien — Eine Munch-Ausstellung ist immer auch ein Grossevent, das viel Publikum anzieht: Allein jedenfalls ist man in den Sälen mit den emotionalen gestisch-expressionistischen Gemälden nicht, dabei sprechen die Bilder des norwegischen Malers (1863–1944) ausdrücklich die Sprache der Einsamkeit. Auch die aktuelle Ausstellung ‹Edvard Munch. Im Dialog› in der Wiener Albertina ist schon zu Beginn der Laufzeit ein Publikumsmagnet. Gezeigt werden über sechzig Werke, hauptsächlich Gemälde aus dem Munchmuseet in Oslo, die so manche neue Facette des Malers beleuchten.
Den Anfang machen romantische Landschaften und privat anmutende Interieurs mit häuslichen Szenen: darauf Menschen in äusserster emotionaler Spannung oder in Konflikt miteinander, aber auch einschneidende persönliche Momente aus dem Leben Munchs, wie dem Tod der Schwester (‹Das kranke Kind›). Verlust, Eifersucht, Angst, Depression. In kompromisslosen Darstellungen werden wir Zeug:innen intimer Dramen. Gleichzeitig ist auch Sensibilität und Zärtlichkeit seinen Figuren eingeschrieben: ‹Der Kuss› – ein Paar tief ineinander verschlungen vor einem nächtlichen, sich auflösenden Himmel – gehört zu den schönsten Bildfindungen dieses Themas.
Das expressive Werk Munchs, sein Farbauftrag, seine düstere Weltsicht, der Wahnsinn, der oft hinter seinen Bildern hervorbricht – dies alles hatte grossen Einfluss auf mehrere Generationen von Künstler:innen und inspirierte zum Titel ‹Im Dialog›. Die Albertina Wien ist nicht das erste Museum, das auf diesen Einfluss Munchs anspielt: 2021 beispielsweise war in London ein solches Dialogprojekt – damals mit der YBA-Künstlerin Tracey Emin – zu sehen. Aber in Wien sind nun gleich mehrere zeitgenössische Positionen mit wegweisenden Arbeiten vertreten. Beispielsweise Peter Doigs ikonische Gemälde ‹Echo Lake› und ‹100 Years Ago›, die thematisch und im Malgestus an Munch anknüpfen, und ebenfalls Tracey Emin, deren fulminante Selbstdarstellungen einen Höhepunkt der Schau bilden. Aber auch die grossartige Marlene Dumas füllt mit verstörenden Mehrfigurenbildern zwei eigene Räume. Miriam Cahns Seelenporträts oder auch Georg Baselitz, dessen Gemälde Mini-Munch-Zitate enthalten, sind ebenfalls Teil der Ausstellung. In allen Fällen erhielten die Dialogpartner:innen Räume für sich allein, was eine Zwiesprache über ganze Werkblöcke ermöglicht. Ein sehr gelungenes und tiefschürfendes Ausstellungsprojekt. 

Bis 
19.06.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Edvard Munch Im Dialog 18.02.202219.06.2022 Ausstellung Wien
Österreich
AT
Autor/innen
Patricia Grzonka
Künstler/innen
Edvard Munch

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