Fujiko Nakaya

Fujiko Nakaya · Nebel Leben, 2022, ­Ausstellungsansicht Haus der Kunst. Foto: Andrea Rossetti

Fujiko Nakaya · Nebel Leben, 2022, ­Ausstellungsansicht Haus der Kunst. Foto: Andrea Rossetti

Fujiko Nakaya · Nebel Leben, 2022, ­Ausstellungsansicht Haus der Kunst. Foto: Andrea Rossetti

Fujiko Nakaya · Nebel Leben, 2022, ­Ausstellungsansicht Haus der Kunst. Foto: Andrea Rossetti

Hinweis

Fujiko Nakaya

München — In der japanischen Ästhetik ist das «übriggebliebene Weiss» wesentlich, es gibt der Imagination Raum. Ähnlich verhält es sich mit dem Werk von Fujiko Nakaya (*1933, Sapporo): Sie hüllt jetzt das Haus der Kunst in gnädigen weissen Dunst. Dichte Nebelschwaden ziehen vom Dach herab, und das Publikum auf der Terrasse kann beobachten, wie hoch die Nebel steigen und vom Wind in Richtung Osten getrieben werden. ‹Munich Fog (Fogfall)› heisst die ephemere Installation, die so zauberhaft wie unheimlich wirkt.
Zuletzt tauchte Nakaya 2019 das Karlsruher ZKM in Nebel. Jetzt findet in München mit ‹Nebel Leben› die erste grosse Retrospektive in Europa statt. Dabei spielt ihre Arbeit an der Schnittstelle von Kunst, Natur und Wissenschaft für die Entwicklung von Künstler:innen wie Olafur Eliasson längst eine Rolle.
In Nakayas Familie hat die Auseinandersetzung mit den Aggregatszuständen des Wassers Tradition. Ihr Vater, der Physiker Ukichiro Nakaya, erforschte Eis- und Schneekristalle. Sie selbst studierte Malerei in den USA, Madrid und Paris, ehe sie Anfang der 1960er-Jahre nach Japan zurückkehrte. Dort übersetzte sie für Rauschenberg und Warhol, war Mitgründerin des Kollektivs ‹Video Hiruba› und eröffnete 1980 Tokios erste Video-Galerie.
Die Schau zeigt auch Zeichnungen, Gemälde und Video-Arbeiten. Während die feinnervigen Bilder Natur und Landschaft kleinteilig abstrahieren, ist manches Video wie eine Anleitung zur Zen-Übung.
Nakaya realisierte bisher weltweit über 90 Nebel-Skulpturen, bisher alle im Aussenraum. Für ‹Munich Fog (Wave)› wurde in die riesige Osthalle auf der gesamten Bodenfläche ein zehn Zentimeter tiefes Wasserbassin eingebaut, das die Besucher:innen auf hölzernen Bohlen wie in einem japanischen Onsen-Thermalbad umrunden. In der Mitte sprühen Düsen alle halbe Stunde Wasser-Aerosole in den Raum. Um eine Verbindung von Aussen- und Innenraum zu schaffen, stehen die Türen nach Osten offen.
Die Dunstwolke berührt, aber man kann sie nicht greifen. Diese immaterielle Kunst verbirgt und enthüllt. Für den NS-Bau hat die Ausstellung Symbolcharakter: Wie die Konturen der Besucher verschwimmen, löst sich auch die monumentale Architektur im Dunst auf. So wie Christo & Jeanne-Claudes ‹Wrapped Reichstag› 1995 das Image eines historisch belasteten Gebäudes verwandelte, signalisiert jetzt – ein wenig zeitverzögert – ‹Nebel Leben› den Neuanfang. Seit März 2020 lenkt Andrea Lissoni das Haus der Kunst, doch erst jetzt gab es die erste grosse Vernissage ohne Corona-Beschränkungen. Die Schau ist kein Spektakel und dennoch spektakulär. Sie trumpft nicht auf, sondern stellt infrage. ‹Munich Fog (Wave)› ist nach zwei Jahren Pandemie und mitten im Ukraine-Krieg das Kunstwerk der Stunde. 

Bis 
31.07.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Fujiko Nakaya 08.04.202231.07.2022 Ausstellung München
Deutschland
DE
Künstler/innen
Fujiko Nakaya
Autor/innen
Roberta, De Righi

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