Im Wald

Bruno Manser · Tagebuch, Aufenthalt bei den Penan in Sarawak, 1984–1990

Bruno Manser · Tagebuch, Aufenthalt bei den Penan in Sarawak, 1984–1990

Ernest Biéler · Laubsammlerin, undatiert (ca. 1909), Aquarell und Bleistift auf Papier, 47 x 57,9 cm; Laub diente als Viehfutter, als Streumaterial für Ställe oder Füllmaterial für Bettsäcke ärmerer Leute

Ernest Biéler · Laubsammlerin, undatiert (ca. 1909), Aquarell und Bleistift auf Papier, 47 x 57,9 cm; Laub diente als Viehfutter, als Streumaterial für Ställe oder Füllmaterial für Bettsäcke ärmerer Leute

Hinweis

Im Wald

Zürich — Zu Beginn der Ausstellung wird ein einzelner Baum gefällt, am Ende kippen die Riesen in serieller Folge um. Am Anfang macht ‹Der Holzfäller› von 1910 von Ferdinand Hodler einem dünnen Bäumchen den Garaus, indem der vor Kraft strotzende junge Mann diagonal über die Bildfläche hinweg die Axt gegen es führt. Am Ende hört man es nur noch unablässig knacken. Julian Charrière zeigt in ‹Ever since we crawled out›, 2018, wie die Bäume fallen. Menschen sind hier nicht mehr zu sehen, aber man hört den Ton, der jeweils entsteht, wenn der mit Axt und Motorsäge bearbeitete Baum zu stürzen beginnt.
Zwischen diesen beiden dem Lob der Manneskraft und der Trauer ob des Baumsterbens gewidmeten künstlerischen Arbeiten breitet sich ein grosses Spektrum diverser Fotografien, Schriften, Handwerksmaterialien und anderer Gegenstände und immer wieder auch Kunstwerke aus, die sich mit dem Wald und seiner Kultur befassen. Die Ausstellung sei vor allem auf den Schutz der Wälder ausgerichtet, heisst es, und um dies erfolgversprechend auszuführen, sollen die lokalen, sozialen und ökologischen Gegebenheiten vermittelt werden. Das geschieht umfassend – im Zentrum aber steht die Gefährdung des Waldes. So erfährt man, dass bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erste Verknappungen vermerkt wurden, dass die Holznutzung stets zunahm, dass mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert der Raubbau noch einmal an Tempo gewann und dass ab etwa 1970 nicht nur der Club of Rome, sondern auch verschiedene Kulturaktivist:innen zu warnen begannen – so bspw. Joseph Beuys, der anlässlich der 1972 stattfindenden documenta 7000 Eichen pflanzen liess, oder Bruno Manser, der sich in den 1980ern für den Schutz von Regenwäldern und der Indigenen Bevölkerung einsetzte. In jüngster Zeit scheinen es weltweit vor allem Frauen zu sein, die sich für den Wald engagieren. So kann man hier neben der allseits bekannten Greta Thunberg bspw. Nemonte Nenquimo entdecken, die 2019 erfolgreich gegen den Staat Ecuador klagte, weil er im Amazonas nach Öl bohren wollte. Oder die kenianische Wangari Maathai, die aufrief, Bäume zu pflanzen, und eine Bewegung für Umweltschutz, Menschenrechte und Demokratie ins Leben rief. Die zugehörige Publikation ‹Im Wald. Eine Kulturgeschichte› enthält u. a. Texte zur Entstehung des Schweizer Nationalparks oder auch zur Zuwendung bzw. zur Ausbeutung des Amazonas durch Persönlichkeiten wie die Künstlerin Anita Guidi und den Kameramann Armin Caspar auf der einen, Kautschukbarone auf der anderen Seite.

Bis 
17.07.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Im Wald — Eine Kulturgeschichte 18.03.202217.07.2022 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Ernest Biéler
Autor/innen
Brita Polzer

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