James Barnor

James Barnor · Untitled, Studio X23, Accra, ca. 1975, Silbergelatine-Print © Autograph ABP

James Barnor · Untitled, Studio X23, Accra, ca. 1975, Silbergelatine-Print © Autograph ABP

James Barnor · Baby on All Fours, Eric Nii ­Addoquaye Ankhra, Ever Young Studio, Accra, ca. 1952, Silbergelatine-Print, Courtesy ­Galerie Clémentine de la Féronnière, Paris

James Barnor · Baby on All Fours, Eric Nii ­Addoquaye Ankhra, Ever Young Studio, Accra, ca. 1952, Silbergelatine-Print, Courtesy ­Galerie Clémentine de la Féronnière, Paris

Hinweis

James Barnor

Lugano — Ein potenter und zweifellos verdienter Triumphzug, den der über neunzigjährige ghanaische Fotograf James Barnor (*1929, Ghana) derzeit durch die westlichen Institutionen hinlegt: Seine 2021 von den Londoner Serpentine Galleries kuratierte Retrospektive ist derzeit im MASI Palazzo Reali in Lugano zu entdecken und wird nächstes Jahr im amerikanischen DIA Detroit Center of the Arts Halt machen. Aus seinem Archiv von 32’000 Fotografien sind 200 Bilder ausgewählt worden, die alle Sparten – Porträt, Fotojournalismus und Modefotografie, Schwarz-Weiss und Farbe – sowie die Hauptorte Accra und London seiner leidenschaftlichen Praxis repräsentieren. Die Bilder des quirligen und neugierigen Fotografen sprühen vor Lebensfreude und Energie und geben die enthusiastische Stimmung seiner Zeit wieder. Als junger Autodidakt begleitete er die Unabhängigkeitsbewegung Ghanas, das sich 1957 als erstes westafrikanisches Land von Grossbritannien befreite. Ab 1959 dokumentierte er die afrikanische Diaspora in London inmitten der Aufbruchsstimmung der Nachkriegsjahre und der aufstrebenden politischen Bewegungen des Antikolonialismus, des Black Liberation Movements und der Frauenbewegung. Barnors Fotografien inkarnieren das Empowerment der afrikanischen Bevölkerung und das Schwinden der Kolonialmächte und ihrer Repräsentanten. Wirken die ersten Studioporträts seines Fotostudios ‹Ever Young› Anfang der 1950er-Jahre noch gestellt, etwas steif und traditionell arrangiert, werden seine Aufnahmen mit der Zeit immer bewusster gestaltet und entwickeln eine klare skulpturale Wirkung. Die junge Frau mit den gedrehten Zöpfchen und den sternförmigen Haarscheiteln am Hinterkopf wurde in einer ungewohnten Dreiviertel-Pose von schräg hinten abgelichtet. Ihr Oberkörper und ihr Kopf füllen den Bildraum mächtig aus. Ein wunderbares Beispiel auch für das Spiel des Lichts auf der dunklen Haut, das Barnor über lange Zeit perfektioniert hat. Beachtlich sind auch seine auf den Millimeter gezeichneten Kompositionen: oft das Bild mit einer geschwungenen Linie durchquerend. Oder die Schnappschüsse der Figuren, die just während eines Luftsprungs oder eines Balanceakts fixiert worden sind. So das Kleinkind, welches seinen Körper auf allen Vieren nach oben stemmt. Durch seinen exakten Blick, seine perfekte Technik und seine Experimentierfreudigkeit offenbart James Barnor uns das Leben eines jungen und von Energie strotzenden Kontinentes. Eine verdichtete ästhetische Erfahrung mit anhaltendem Erkenntniswert.

Bis 
31.07.2022

→ MASI, Palazzo Reali, bis 31.7.; Katalog: Serpentine Galleries London, MASI Lugano,  Detroit Institute of Arts. Verlag Walther König ↗ www.masilugano.ch

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
James Barnor: Accra/London - A Retrospective 13.03.202231.07.2022 Ausstellung Lugano
Schweiz
CH
Künstler/innen
James Barnor
Autor/innen
Barbara Fässler

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