Mireille Gros — In fiktionalen Pflanzenwelten

Mireille Gros · Vielfalt der ARTen, 2022, Raumansicht Kunsthaus Zofingen. Foto: Rachel Bühlmann

Mireille Gros · Vielfalt der ARTen, 2022, Raumansicht Kunsthaus Zofingen. Foto: Rachel Bühlmann

Mireille Gros · Vielfalt der ARTen, 2022, Raumansicht Kunsthaus Zofingen. Foto: Rachel Bühlmann

Mireille Gros · Vielfalt der ARTen, 2022, Raumansicht Kunsthaus Zofingen. Foto: Rachel Bühlmann

Besprechung

In Zofingen wie in Burgdorf sind parallel imaginäre Pflanzenwelten von Mireille Gros zu sehen. Während das Kabinett im ­Museum Franz Gertsch Zeichnungen versammelt, zeigt das Kunsthaus Zofingen in einer Retrospektive der letzten dreis­sig Jahre Arbeiten von Video bis zur Malerei.

Mireille Gros — In fiktionalen Pflanzenwelten

Burgdorf/Zofingen — Ein Aufenthalt in einem der letzten Regenwälder Westafrikas 1993 steht am Anfang der persönlichen Pflanzenwelten von Mireille Gros (*1954, Aarau). «Betroffen, versuchte ich diese Diversität der Urwaldpflanzen zu erfassen. Jeden Tag verschwindet eine Pflanzenart – jeden Tag erfinde ich eine neue.» Wie etwa Wasserpflanzen auf einem grossen Leinwandpaar aus der Serie ‹Fictional Plant Biodiversity›, zentral platziert im Erdgeschoss des Kunsthaus Zofingen. Vor wässrig-grünlichem Hintergrund «schwimmen» ausgebleichte und farbig-feinkörnige, seerosenartige Silhouetten. Weitere Werke in ähnlicher Farbigkeit, Originalgeräusche von 1993 und neue Videoarbeiten aus China, die etwa das Abperlen eines Tropfens auf einem Blatt zeigen, schaffen eine fast meditative Stimmung … Jedoch bleibt dabei der (retrospektive) Blick auf Techniken und Medien wichtig, wie der Titel ‹Vielfalt der ARTen› veranschaulicht, während in Burgdorf poetisches Eintauchen überwiegt.
Im genannten Diptychon zeigt Gros ihr Können, indem die zwei Leinwände, eine in Tusche, eine in Öl gemalt, gemeinsam einen Bildraum evozieren. Zudem nutzt Gros erstmals auch «upcycled painting»: Die Farbsplitter entstammen alten Arbeiten. Ein Weg, der in ihren wiederverwendeten Zeichnungen vorgespurt ist. Im Ballsaal des Obergeschosses erscheinen Erfahrung, Technik und Recycling kombiniert: Drei Leinwände suggerieren einen fein gezeichneten Blick ins «Unterholz». Es handelt sich um Bienenwachsenkaustik, für die Gros mit speziellen Kolben arbeitet. Sie bilden den «Hintergrund» für im Hexagon angeordnete Tische, wo nach Farbtönen arrangierte Zeichnungen aus dreissig Jahren liegen – teils doppelseitig benutzte oder zusammengesetzte, wiederverwendete Blätter. Ihre Präsentation hat etwas Forschendes, wie die gesamte Schau eine experimentierende Haltung in den diversen Medien zeigt.
Das Kabinett in Burgdorf dagegen zeigt unter dem Titel ‹Dschungelergänzungen› einzig Papierarbeiten. Im Raum und vor dem Fenster hängen aus Zeichnungen gefertigte Vorhänge, an Lianen erinnernd. Dazu die Geräuschkulisse einer Affenhorde. Zusammen mit an den Wänden platzierten Zeichnungen auf deutlich hochwertigerem Papier werden die Besuchenden geradezu in den imaginären Wald gezogen.
Die Idee der Künstlerin, die beiden Ausstellungen «als sich ergänzende Einzelschauen» auszugestalten, gelingt dank der klaren Schwerpunktsetzung wunderbar, und die Präsentationen bereichern sich gegenseitig.

Bis 
26.06.2022
Institutionen Land Ort
Kunsthaus Zofingen Schweiz Zofingen
Museum Franz Gertsch Schweiz Burgdorf
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Vielfalt der ARTen — Mireille Gros 07.05.202226.06.2022 Ausstellung Zofingen
Schweiz
CH
Mireille Gros 19.03.202219.06.2022 Ausstellung Burgdorf
Schweiz
CH
Autor/innen
Adrian Dürrwang
Künstler/innen
Mireille Gros

Werbung