Plastik — Die Welt neu denken

Peter Stackpole · Throwaway Living, 1955, Fotografie für Zeitschrift Life © Getty
 

Peter Stackpole · Throwaway Living, 1955, Fotografie für Zeitschrift Life © Getty

 

Panasonic Toot-a-Loop R-72S Radio, 1969–1972, Courtesy Vitra Design ­Museum. Foto: Andreas Sütterlin
 

Panasonic Toot-a-Loop R-72S Radio, 1969–1972, Courtesy Vitra Design ­Museum. Foto: Andreas Sütterlin

 

Hinweis

Plastik — Die Welt neu denken

Weil am Rhein — Kunststoff war mal ein Versprechen – für ein bequemeres Leben, für preisgünstigen und sorglosen Konsum. Waren die synthetischen Materialien doch derart vielseitig verwendbar und kosteten so wenig, dass man manche Produkte schon nach einmaligem Gebrauch entsorgen konnte. Die Wegwerfgesellschaft als Paradies: In der Illustration eines Life-Artikels von 1955 wirft eine fröhlich ausgelassene Familie Plastikbehälter und andere Kunststoffgegenstände befreit in die Luft.
Leider lösten sie sich dort nicht in Luft auf. Und so tritt nicht erst heute die Kehrseite jener Konsumhaltung zutage: Abfallberge, Vermüllung der Meere, Zerstörung der Umwelt. Zu sehen ist die Aufnahme im grossen Format in der Ausstellung ‹Plastik. Die Welt neu denken› im Vitra Design Museum. Bereits im Untertitel fordert die in Kooperation mit dem Londoner Victoria and Albert Museum und dem schottischen Design Museum V & A Dundee entstandene Präsentation zu Umdenken und Umkehr auf. So möchte die Ausstellung nicht lediglich die Geschichte von Plastik und Plastikdesign erzählen. Es ist ihr ein Anliegen, auch auf die Problematik von Kunststoff hinzuweisen und Lösungsansätze anzubieten. Der obere Saal im postmodernen Frank-Gehry-Bau hat jetzt mit seinen Schautafeln und Diagrammen, Reagenz­gläsern und Petrischalen die klinische Nüchternheit eines Versuchslabors. Hier, in ihrem ausgedehnten zweiten Teil, breitet die Schau Anschauungsmaterial zu neuesten Entwicklungen in der Forschung über Kunststoffalternativen aus. Etwa zur Entwicklung von Bioplastik – oder von Pilzkulturen, die einmal Verpackungsmaterialien aus Kunststoff oder Dämmstoffe im Wohnungsbau ersetzen könnten.
Schon zu Beginn des Parcours stimmt uns eine immersive Filminstallation mit einem bilderreichen Schnelldurchgang durch die Kunststoff-Geschichte mit Aufnahmen von Plastikmüllbergen und Umweltzerstörung auf die Problemlage ein. Von ihren Anfängen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart fächert die Schau im Fortgang sodann die ­Geschichte des Plastiks auf. Auch wenn so manches Exponat lediglich eine weitere Anwendungsmöglichkeit von Kunststoff illustriert – die Anhänger guten, innovativen Designs kommen auf ihre Kosten mit Marcel Breuers und Richard Schadewelles Tischtelefon ‹Frankfurt› von 1929, Eero Aarnios popkulturellem Ballchair bis zu Henri Massonnets elegantem Monobloc –, bietet die Schau viel Anschauungsmaterial zum verführerisch zerstörerischen Potenzial von Plastik.

Bis 
04.09.2022
Institutionen Land Ort
Vitra Design Museum Deutschland Weil am Rhein
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Plastik — Die Welt neu denken 26.03.202204.09.2022 Ausstellung Weil am Rhein
Deutschland
DE
Künstler/innen
Marcel Breuer
Autor/innen
Hans-Dieter Fronz

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