Satt sehen

Marcel van Eeden · Untitled, 2014, Buntstifte auf Papier, 19 x 28

Marcel van Eeden · Untitled, 2014, Buntstifte auf Papier, 19 x 28

Tüpf Li / Sabina Speich · Cup Noodles, 2020, Wolle gehäkelt

Tüpf Li / Sabina Speich · Cup Noodles, 2020, Wolle gehäkelt

Hinweis

Satt sehen

Basel — Musiker können spezielle Versicherungen für die Gliedmassen abschliessen, die sie für die Hervorbringung ihrer guten Töne benötigen. Analog dazu versuchte kürzlich ein französischer Kochkünstler, seinen Geschmackssinn versichern zu lassen. Doch die Assurance lehnte ab, zu subjektiv seien die Kriterien, die bei einem Schadensfall zur Anwendung kämen.
Die Ausstellung, die sich gegenwärtig gewissermassen im Bauch, nämlich im Art Foyer des alten Verwaltungsgebäudes der Helvetia Versicherung in Basel eingenistet hat, garantiert zwar auch keinen unverwüstlichen Geschmack, verspricht aber immerhin, dass man sich ganz schön den Blick vollschlagen kann: ‹Satt sehen› heisst die Schau, und zu entdecken gibt es Werke von rund zwanzig Schweizer Künstlerinnen und Künstlern, die sich auf verschiedene Weise mit dem Thema Essen beschäftigen.
Sabine Speich hat aus Wollresten einen gelb leuchtenden ‹Cup Noodles› von der Grösse eines Kühlschranks gehäkelt. Einige der Teigwaren sind ausgebrochen und räkeln sich wie Würmer am Boden. Wer das nicht mag, kann sich von ihrem Spiegelei mit Speck oder an einem frei schwebenden Stück Pizza von einem Meter Länge umgarnen lassen.
Marcel van Eedens farbige Zeichnungen von Desserts und Torten entführen in die Bildwelt alter Kochbücher, Maria Magdalena Z’Graggens ‹Friandises› bieten daneben einen eher malerisch-abstrakten Gaumenkitzel. Francisco Sierra lässt uns das Leiden einer Stopfgans erleben – und Stella (fotografiert von Jack Pryce) drückt sich selbst mit Fast Food voll. Danach hilft wohl nur noch ein Schnaps in der Roten Bar von Thomas Mühlenbach oder wenigstens ein doppelter Espresso an der mittels Spiegelungen vervierfachten Cafeteria Barachina von Werner Ritter.
Zu den älteren Arbeiten gehört ‹Le repas› von Charles Menge. Das Gemälde von 1969 übt Kritik an einem Walliser Bauvorhaben jener Tage, präsentiert sich heute aber vor allem als ein wunderbares Wimmelbild, auf dem rund um eine Tischgesellschaft mit Pfaffen und Teufel, Kotzbrocken, Stinkmorcheln, bösen Zungen und gutem Kirschenessen so viel Kurioses passiert, dass man sich kaum daran satt sehen mag. Die Werke stammen aus der umfangreichen Sammlung der Versicherung. Und die Kuratorin Nathalie Loch hat sie zu einem visuell ansprechend Ensemble zusammengestellt, das unaufdringlich zentrale Fragen der Ernährung anspricht – und so zwar nichts zu schlucken gibt, aber doch einiges zu beissen. 

Bis 
30.06.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Satt Sehen 24.03.202230.07.2022 Ausstellung Basel
Schweiz
CH

Werbung