Susanne Hofer — Über den Blick und hinter dem Blick

Susanne Hofer · flunkern, 2020, Installation

Susanne Hofer · flunkern, 2020, Installation

Susanne Hofer · irrlichtern, 2022, Video HD, 10’38’’, Loop, Doppelprojektion

Susanne Hofer · irrlichtern, 2022, Video HD, 10’38’’, Loop, Doppelprojektion

Besprechung

Feste Materie wird zu Feinstofflichem und umgekehrt. Details werden zu Kontexten und umgekehrt. Der Überblick wird zum Einblick und umgekehrt. Die Videokünstlerin lenkt unseren Blick geschickt auf das, was unsere Wahrnehmung verrückt und verwirrt und unser Sehen immer auf uns selbst zurückwirft.

Susanne Hofer — Über den Blick und hinter dem Blick

Meggen — Susanne Hofer (*1970, Luzern) arbeitet multimedial; häufig sind es Installationen und Projektionen im Raum, in denen ihre vielseitigen Videoarbeiten beheimatet sind. In ihrer aktuellen Soloschau zeigt die in Zürich lebende Künstlerin eine Auswahl älterer und neuer Werke. Es sind Momente des einerseits Nahe-Liegenden, für die wir sensibilisiert werden, andererseits werden wir an das herangeführt, was sich dahinter erahnen lässt und uns noch tiefer in mehrschichtige Ebenen führt.
‹irrlichtern›, 2022, eine raumfüllende Doppelprojektion: Wir sehen ein Scheinwerferlicht, das durch ein leer stehendes Haus wandert – ein verlassenes Bahnhofsgebäude von 1846 in Paulinenaue bei Berlin. Der Lichtkegel, wie der einer überdimensionierten Taschenlampe, tastet sich durch verschiedene Zimmer, legt Wände frei, an denen Tapete vom Putz blättert, findet einen alten Sicherungskasten aus Bakelit, streift einen braun gekachelten Kamin. Wir werden zum Beobachter, zur Beobachterin und durch die Spot-Perspektive gleichzeitig auch zu Voyeur:innen. Ist das, was wir sehen, für unsere Augen bestimmt? Decken wir hier etwas auf? Suchen wir hier etwas? Die Ästhetik von Verfall und zugleich historischer Bausubstanz, der Kontrast zwischen kitschiger Blümchentapete und einer sinnlichen, epischen Stimmung kreiert Brüche in der Wahrnehmung. Eine andere Videoarbeit ‹Drift›, 2022, zeigt auf einem gegen eine Wand gelehnten Monitor die Picnic Islands vor Miami. Die kleinere der beiden Inseln verschwindet aus dem Bild und kommt wieder an ihren Platz zurück. Wieder verschiebt sich unser Blick. Wie eine Wasseroberfläche glitzern auch die transparenten Körper in Susanne Hofers Installation ‹flunkern› von 2020. Doch der Titel verrät es bereits, es handelt sich hierbei um eine Illusion: Auf grossflächig ausgelegte Plastikverpackungen werden Filmaufnahmen von Lichtreflexionen auf Wasser projiziert. Es wirkt so, als würden die Plastikverpackungen von sich aus im Raum flimmern – durch viele kleine Lichtbrechungen.
Ihre neueste Arbeit, ‹Nordwest›, ein Videoloop von 2022, projiziert eine romantische Abendstimmung auf ein Fenster, in dessen Scheibe das Bild reflektiert wird. Der Bildträger bewegt sich, das Bild mit ihm: Der Flügel öffnet und schliesst sich wie von Geisterhand bewegt, der Abendhimmel taucht auf und verschwindet wieder. Solche Trompe-l’oeil-Effekte sind typisch für Susanne Hofers Arbeit. Eine Perspektive wird vorgetäuscht, eine Tiefe entsteht und ein neuer Raum tut sich auf – wir folgen und werden immer wieder von unserer eigenen Wahrnehmung überrascht. 

Bis 
03.07.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Overlook — Susanne Hofer 20.05.202203.07.2022 Ausstellung Meggen
Schweiz
CH
Künstler/innen
Susanne Hofer
Autor/innen
Valeska Marina Stach

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