Xenia Hausner — Meisterin dramatischer Inszenierungen

Xenia Hausner · An Education, 2009, Öl auf Papier auf Dibond, 102 x 197 cm © ProLitteris, Courtesy Belvedere Wien

Xenia Hausner · An Education, 2009, Öl auf Papier auf Dibond, 102 x 197 cm © ProLitteris, Courtesy Belvedere Wien

Xenia Hausner · Exiles 1, 2017, Öl auf Papier auf Dibond, 240 x 337 cm © ProLitteris

Xenia Hausner · Exiles 1, 2017, Öl auf Papier auf Dibond, 240 x 337 cm © ProLitteris

Besprechung

Getreu der Devise von Shakespeare «All the world’s a stage and all the men and women merely players» inszeniert die österreichische Künstlerin Xenia Hausner jene Welten, die sie malt, wie ein Schauspiel. Das Theater ist ihr bestens vertraut, über Jahrzehnte arbeitete sie als international gefragte Bühnenbildnerin.

Xenia Hausner — Meisterin dramatischer Inszenierungen

Burgdorf — Vor 30 Jahren dann setzte Xenia Hausner (*1951, Wien) eine Zäsur und begann, ihre eigenen Bühnenbilder in ihrem privaten Atelier zu bauen. Seitdem kreiert sie fiktive Szenerien, die sie dann mit Modellen ihrer Wahl belebt. Darunter figurieren sowohl Statisten als auch bekannte österreichische Schauspielerinnen, die im Bild aber, wie alle anderen, anonym auftreten.
Was Fiktion und was Wahrheit ist, verschwimmt in den Werken auf verblüffende Weise. Denn Hausner nimmt sich Szenen vor, die das Leben vom Alltag bis zur Ausnahmesituation vor Augen führen. Wenn das Bühnenbild steht und die Modelle arrangiert sind, fotografiert sie die Szene zunächst und setzt sie danach malerisch um. Das heisst, die Annäherung an das Sujet, von der ersten Idee über das Kreieren eines Schauplatzes zum Suchen und Finden passender Modelle und deren Arrangement im Bühnenbild, ist ein extrem langwieriger Prozess. Dennoch wirkt die Malerei von Xenia Hausner überaus spontan und spritzig. Das mag zuvorderst an der prallen Farbigkeit liegen, die auch vor Komplementärkontrasten nicht zurückschreckt. Es liegt aber auch an der Kombination von Fotografie und Malerei. An manchen Bildern lässt sich sehr gut erkennen, dass es sich um übermalte Fotos handelt. Vergrösserungen in riesigen Formaten, die mehrere Meter messen. Sie werden auf Dibond aufgezogen oder direkt belichtet. Diese Millimeter dünnen Aluminiumplatten sind der bevorzugte Malgrund der Künstlerin. Denn die Fotografien bleiben, wenn überhaupt, am Ende nur fragmentarisch als solche sichtbar. So zum Beispiel in den markanten Augen der Protagonistin des Ölbildes ‹An Education›. Tatsächlich scheint sie die Besucher:innen auf Schritt und Tritt mit ihrem Blick zu verfolgen, egal, wo sie sich im Raum befinden.
Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt die monumentale dreiteilige Reihe ‹Exiles›, die, obwohl bereits 2017 gemalt, im Frühling 2022 traurige Aktualität gewonnen hat. Hier malt Hausner in kontrastreichen, kühlen Farben dramatische Abschiedsszenen, die sich zwischen dicht gedrängten jungen Leuten hinter und vor einem Zugfenster abspielen. Das Fenster wird zum Schauplatz, an dem Tragödien ihren Lauf nehmen. Die Theatralik der Darstellung, die sich nicht nur in der Mimik, sondern vor allem in den wild gestikulierenden Armen und Händen der Flüchtenden zeigt, lässt an Pontormos ‹Grablegung Christi› in Santa Felicità in Florenz und damit an die italienische Malerei des Manierismus denken. Grossartig! 

Bis 
28.08.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Xenia Hauser 19.03.202228.08.2022 Ausstellung Burgdorf
Schweiz
CH
Künstler/innen
Xenia Hausner
Autor/innen
Mechthild Heuser

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