Preis der Nationalgalerie für junge Kunst

Michael Elmgreen & Ingar Dragset · Temporarily Placed, 2002, Courtesy Klosterfelde, Berlin, Tacita Dean · The green ray, 2001, Courtesy Frith Street, London, Marian Goodman, New York/Paris, Daniel Richter · Gedion, 2002, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Maria Eichhorn · 23 Kurzfilme/23 Filmplakate, 1995/2002, Courtesy Hauser & Wirth & Presenhuber, Zürich; Barbara Weiss, Berlin (v.l.o. nach r.u.)

Michael Elmgreen & Ingar Dragset · Temporarily Placed, 2002, Courtesy Klosterfelde, Berlin, Tacita Dean · The green ray, 2001, Courtesy Frith Street, London, Marian Goodman, New York/Paris, Daniel Richter · Gedion, 2002, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Maria Eichhorn · 23 Kurzfilme/23 Filmplakate, 1995/2002, Courtesy Hauser & Wirth & Presenhuber, Zürich; Barbara Weiss, Berlin (v.l.o. nach r.u.)

Besprechung

Vier Positionen junger Kunst sind für den bedeutendsten deutschen Kunstpreis nominiert: Michael Elmgreen & Ingar Dragset, Tacita Dean, Maria Eichhorn und Daniel Richter. Der Fokus der Ausstellung im Hamburger Bahnhof liegt nicht auf Nationalität oder einem bestimmten Trend, sondern vielmehr auf einer guten Durchmischung und einer sorgfältigen Auswahl.

Preis der Nationalgalerie für junge Kunst

Zum zweiten Mal in der Geschichte soll der Preis der Nationalgalerie für junge Kunst vergeben werden. Von rund 1000 Freundinnen und Freunden der Nationalgalerie wurden 88 Namen eingereicht. Davon hat die Jury vier in Deutschland lebende Künstlerinnen und Künstler, die unter vierzig sind, für den Preis von insgesamt 50.000 Euro nominiert. Die Auswahl ist fast verdächtig ausgeglichen in Bezug auf Herkunft, Geschlecht, Medium und Arbeitsfeld. Ebenso vorsichtig ist die Präsentation der Werke. Nachdem die historische Halle des Hamburger Bahnhofs die Nominierten beim letzten Preis offenbar überfordert hat, findet die Ausstellung nun in einem kleineren Saal des Museums mit sorgfältig abgetrennten Zonen statt. Überraschungen sind rar: Daniel Richter präsentiert seine grossformatige Malerei in sieben Ausführungen über sein Abteil hinaus, sodass das Publikum vom Eingang über die Treppe her geleitet wird: Szenen aus der jüngsten Vergangenheit, auf der Grundlage von Pressefotos, vermischt er mit persönlichen Imaginationen in expressionistischen Farbbezügen, die eine Menge kunsthistorischer Referenzen freilegen. Tacita Dean nutzt in ihrem Film den temporalen Aspekt intensiv aus. Das Ende des Tages wird durch das Bild der untergehenden Sonne zum paradoxen Synonym von Endlosigkeit. Dabei geht es letzten Endes um die Erfahrung eines optischen Phänomens, nämlich um die grüne Erscheinung, die sich nach dem Versinken der orangen Sonnenkugel am Horizont bildet: ein Afterimage in der Komplementärfarbe der Sonne. Aus dieser Stille wird man jäh herausgerissen durch ein Krankenbett, das in seinem sterilen Weiss eine Referenz zum «white cube» des Museums aufgreift. Das nordische Künstlerpaar Elmgreen & Dragset spielt in seiner gesamten Arbeit die Bedeutung von Institutionen – oder zumindest deren Gebäudehüllen – aus. Da mag es bedeutungsvoll sein, dass sie das Museum mit dem nahe liegenden Krankenhaus der Charité verknüpfen und damit die Frage nach der Art der Krankheit stellen. Maria Eichhorn bezieht sich als Künstlerin immer streng auf die Institution und deren Topographie, die alle damit verbundenen Prozesse einbindet. Das hier gezeigte Werk «23 Kurzfilme/23 Filmplakate» ist bereits 1995 für die Galerie Walcheturm in Zürich entstanden: Der Ausstellungsraum wird in ein Kino verwandelt, mit Hilfe dessen wiederum auf die Dynamik des Raumes referiert wird. Die Fülle des Beitrages wird erst ersichtlich, wenn jeder einzelne Ausstellungstag miterlebt wird, weil pro Tag jeweils nur ein Film vorgeführt wird. Fehlt bloss, dass sich die Künstlerin mit diesem spezifischen Raum befasste. Preisverleihung am 26.6.
Bis 7.7.

Bis 
06.07.2002

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