Anna Amadio, Eric Hattan und Werner Reiterer im Kunsthaus Baselland

Anna Amadio · Ohne Titel, 2003, Detail, Farbstift auf Papier, 150 x 295 cm

Anna Amadio · Ohne Titel, 2003, Detail, Farbstift auf Papier, 150 x 295 cm

Besprechung

Die aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Baselland in Muttenz zeigt im Kabinett neuste Arbeiten von Anna Amadio und bringt die Künstler Eric Hattan und Werner Reiterer zusammen.

Anna Amadio, Eric Hattan und Werner Reiterer im Kunsthaus Baselland

Seit 1995 zeigt die in Basel lebende Künstlerin Anna Amadio (*1963) lichtdurchlässige Luftobjekte aus transparenter Polyäthylenfolie. 1999 folgten farbintensive Filzstiftzeichnungen und im letzten Jahr schwarzweisse Bleistiftzeichnungen. In einem Gespräch mit Ulrike Groos beschreibt sie diese Entwicklung als «?ein Ausbrechen aus der architektonischen Vorgabe. Es war für mich ein unbekanntes Terrain, ohne Raumbezug und dritte Dimension zu arbeiten. (?) Zeichnen ist sehr direkt, die Kraft liegt eher im Gestus oder im Temparament der Strichführung».

Die vier extrem breitformatigen farbigen Zeichnungen Anna Amadios, alle in diesem Jahr entstanden, hängen an pistaziengrün gestrichenen Wänden in einem fast bedrückend niedrigen Raum und bilden mit dem graubraunen Spannteppich ein konstruktives Element, das den Blick gefangen nimmt. Jede Zeichnung zeigt eine von der Künstlerin zusammengestellte Motivfolge, bestehend aus drei agierenden Figuren, die von fliegenden Vögeln und streunenden Hunden umgeben sind. Diese Motive sind nur aus einer bestimmten Distanz erkennbar, denn Amadio hat die ganzen Blätter mit Frottagen von mit Leim bearbeiteten Vorlagen überdeckt. Dabei sind einige Motive genauer zu erkennen, die anderen wirken verschwommener. So entsteht eine bunte topographische Oberfläche mit Hügeln und Tälern, mit Schneisen und Löchern, die Rückschlüsse auf die Intensität der Bearbeitung zulässt. Wer die Arbeiten von weitem betrachtet, fühlt sich an Stadtansichten erinnert, um deren Kernzonen sich die Agglomeration mehr und mehr ausfranst. Damit hat Amadio den architektonischen Raum nicht aufgegeben, sondern ihn in einer zeichenhaften Sprache transformiert.

Um die Architektur hinter dem Bild kreisen auch die Arbeiten von Eric Hattan (*1955) und Werner Reiterer (*1964). Während Reiterer neben einigen Installationen vor allem Werkskizzen zeigt, hat Hattan das ganze Kunsthaus mit installativen Eingriffen vereinnahmt. Dies beginnt bereits auf dem Vorplatz, wo ein mit Wäsche behängter Ständer steht, wobei beim ersten Anzeichen des Trocknens die Wäsche durch eine Gartensprinkleranlage wieder benetzt wird. Reiterer platziert ein Vogelhäuschen in einem Baumwipfel, in dem je nach Sonnenscheindauer von Solarzellen produzierter Strom künstliches Vogelgezwitscher erzeugt. Hattan arbeitet ortsbezogen und mit einfachsten Materialien. Zudem leiten ihn oft räumliche Überlegungen. Die Aspekte verborgener Architektur zeigen sich besonders schön in jener Videoinstallation, in welcher die Innenseiten verschiedener Tüten und Verpackungen nach Aussen gekehrt werden, wodurch aus dem Ursprünglichen ein Neues wird. Die Antiform wird damit zum konstruktiven Element. Mit Katalogen.

Bis 
12.07.2003

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